Aktueller Jahrgang

92
Bild
978-3-15-011145-1
Titel
Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur
Untertitel
Kurzbeschreibung

An Gesamtdarstellungen zum Dreißigjährigen Krieg herrscht wahrlich kein Mangel, im Gegenteil: Ihre Fülle ist mittlerweile kaum mehr zu überblicken. Die Rezeption, Verarbeitung und Deutung der „Ur-Katastrophe der Deutschen“ (so der Titel des Spiegel Geschichte-Heftes 4/2011) in der Barockliteratur darf ebenfalls als gut erforscht gelten, eine aktuelle, übersichtliche Monografie zu diesem Thema fehlte bislang aber. Volker Meid, einer der besten Kenner der deutschen Barockdichtung, hat diesen Missstand nun behoben. Dem Literaturwissenschaftler gelingt es auf knappem Raum, eine Vielzahl von literarischen Werken samt ihrer Verfasser (und wenigen Verfasserinnen) zu präsentieren und diese ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Dabei legt Meid seiner Arbeit einen weiten Literaturbegriff zugrunde: Er konzentriert sich nicht ausschließlich auf fiktionale Texte, sondern bezieht auch Tagebücher, Chroniken, Flugblätter sowie einige ausgewählte Briefe in seine Darstellung mit ein. …

Bild
978-3-446-26229-4
Titel
Fake und Fiktion
Untertitel
Über die Erfindung von Wahrheit
Kurzbeschreibung

Darüber, was ein ‚Fake‘ ist, welchen Schaden er gesellschaftlich und politisch anrichten und wie man ihn erkennen kann, ist in den letzten Jahren viel gesprochen und geschrieben worden. Thomas Strässle widmet sich dem Thema nun in seinem kurzen Essay-Band „Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit“ aus literaturwissenschaftlicher Sicht. Denn die Literaturwissenschaft habe, so Strässle, die längste Erfahrung damit, zu beschreiben, wie man etwas glaubhaft erzählt, das nicht wahr ist.

In elf kurzen Kapiteln erörtert Strässle seine Überlegungen zur Verbindung von Fake und Fiktion und zu Fiktionalität und Faktualität. Das Problem bei der Definition des Fakes beginnt dabei für Strässle schon mit dem Wort an sich. So geht er verschiedenen möglichen Ursprüngen des Wortes nach, ebenso wie unterschiedlichen semantischen, moralischen und kulturellen Differenzierungen des englischen und deutschen Begriffs. …

Bild
978-3-95972-162-2
Titel
Feindliche Übernahme
Untertitel
Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht
Kurzbeschreibung

Deutschland schafft sich ab, laviert zwischen Wunschdenken und Tugendterror; hinzu gesellt sich religiöser Wandel, der sich zunehmend durch Feindliche Übernahme durch den Islam vollzieht, die Berlins früherer Finanzsenator Thilo Sarrazin in aktuellem Buch beschreibt. Für Random House, Sarrazins bisherigen Hausverlag, ist ein kritisches Islambuch eines agnostischen Beobachters offenbar ein zu heißes Eisen. Erschienen ist der neue Sarrazin daher beim Münchener Finanzbuch Verlag.

Autor leitet mit Koranexegese in die Religion des Islam ein (S. 23-71). Die Kernaussagen, die das wichtigste Buch der Muslime unter anderem zu Gott, Mohammed, Ungläubigen, Dschihad und Frauen liefert, sind durch zahlreiche Wiederholungen gekennzeichnet. …

Bild
978-3-7099-7287-8
Titel
Vom Kaiser zum Duce
Untertitel
Lodovico Rizzi (1859-1945). Eine österreichisch-italienische Karriere in Istrien
Kurzbeschreibung

Für den Verfasser dieser „quellengesättigt[en]“ (S. 8) Lebensskizze des schon seiner Geburt wegen zuhöchst privilegierten, Landgüter besitzenden ‚Gentiluomo’ Rizzi, mündet dessen ungemein vorteilhafte Parteinahme für das habsburgische Regime zwar nicht zwingend in das von Mussolinis Faschismus, wohl aber erblickt Wiggermann in der ‚Verschiebung’ von „Rizzis moralische[m] Referenzsystem“ (S. 391) eine Art von „Verantwortung der altösterreichischen Politikergeneration“ Istriens überhaupt, die wie „viele andere liberale Italiener wissentlich den Antidemokraten Mussolini unterstützt[en]“ (S. 439). …

Bild
978-3-8353-3210-2
Titel
Im Dienst der Gemeinschaft
Untertitel
Zur Ordnung der Moral in der Hitler-Jugend
Kurzbeschreibung

Der Autor lässt hier eine „Moralgeschichte“ (S. 21) zum Verständnis der Hitler-Jugend (HJ) abrollen, der Jugendorganisation schlechthin des NS-Regimes, dem oft genug ‚Moral‘ überhaupt abgesprochen wurde und dessen Erforschung deshalb auch in diesem spezifischen Zusammenhang „Lücken“ (S. 78) aufweist.

Relativ komplex stellt Gloy dabei auf „eine Analyse der moralischen Codierung von Begrifflichkeiten und Thematisierungen sowie den damit verbundenen Wissens-, Macht- und Subjektivierungseffekten“ (S. 128) ab, den „interdiskursiven Verknüpfungen und ihren Auswirkungen auf die Konstitution der Subjekte“ im „Kontext des nationalsozialistischen Moralsystems“ (S. 79). …

Bild
978-3-412-51246-0
Titel
Karol Modzelewski, Gesellschaftspsychologie einer Revolution
Untertitel
Kurzbeschreibung

Wird aktuell häufig ein Mangel an sozialer Solidarität beklagt, wurde sie 1980/81 in Polen zum Ereignis; hier deklariert als „erhabene Zeit“ (S. 21), denn für „Millionen Polen […] die einzige Erfahrung von aktiv gelebter Freiheit“, „in einer großen Gemeinschaft und im Gefühl brüderlicher Verbundenheit“ (S. 26). Diese kurze Periode lässt der Autor gegenüber den unmittelbar folgenden abstechen, in der Beschreibung von Schwundstufen, Derivationen, Metamorphosen und insbesondere Umkehrungen der ursprünglichen Absichten.

Modzelewski besitzt dafür die Innenperspektive, als Pionier (schon ab Mitte der sechziger Jahre als Reformator aktiv), ja sogar Namensgeber der „Solidarność“. …

Bild
978-3-8353-3209-6
Titel
Vom Neandertal nach Afrika
Untertitel
Der Streit um den Ursprung der Menschheit im 19. und 20. Jahrhundert
Kurzbeschreibung

Mit einem „diskursanalytischen Ansatz“ (S. 23) wird dem sich im Verlauf zunächst höchst spannungsreichen wie allmählich entspannten Meinungsbildungsprozess „über den menschlichen Ursprung“ bei einem forcierten „Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, zeitgenössischer Weltanschauung und gesellschaftlichem Diskurs“ (S. 26) nachgegangen. Mithilfe öffentlicher und interner Publikationen, von Nachlässen und Monographien sowie methodischen Instrumentarien, deren Aktualität schon die verwendeten Begriffe wie Deutungshoheit, Netzwerk, Scientific community bekunden, gelingt der Autorin die Dekonstruktion der „Meistererzählung vom ‚missing link‘“ (S. 141), somit eine Dekonstruktion der mit dem Neandertal-Fund den Anstoß gebenden „weitläufigen Dekonstruktion des Menschen als Abbild Gottes“ aufgrund „einer Rekonstruktion des Menschen aus fossilen Knochen“ (S. 374). …

Bild
978-3-406-72928-7
Titel
Der Frieden von Versailles
Untertitel
3., durchgesehene und ergänzte Auflage
Kurzbeschreibung

Von Georges Clemenceau noch als Buch des Friedens gefeiert, war der Versailler Vertrag, den Deutschland 1919 unterzeichnete, ein Gewaltakt, der deutscherseits leidenschaftlich attackiert und halben Herzens auf alliierter Siegerseite verteidigt wurde. Zum hundertsten Jahrestag der Vertragsunterzeichnung erscheint in dritter Auflage Eberhard Kolbs Darstellung Der Frieden von Versailles.

Als besonderes Merkmal bei Vertragsunterzeichnung in Versailles erwies sich das Bemühen Frankreichs, Deutschland „mit äußerster Rigorosität moralisch abzustrafen und zum Ertragen demütigender Prozeduren zu zwingen“ (S. 10). Wie das Deutsche Reich auf die Anklagebank kam, umreisst Kolb mit kurzer Darstellung der Kriegsereignisse ab 1914, die zur militärischen Niederlage der Mittelmächte insgesamt führten (S. 11-22). …

Bild
978-3-406-73970-5
Titel
Schach
Untertitel
Die Welt auf 64 Feldern
Kurzbeschreibung

Schach ist „ein Kampf zweier gleichstarker Figurenheere“, wie es der deutsche Schachmeister Wolfgang Unzicker einmal ausdrückte. Mit dem Buchtitel Schach, die Welt auf 64 Feldern wählt Christian Mann, Althistoriker an der Universität Mannheim und Internationaler Meister im Schach, eine weniger martialische Einleitung.

Der Beck-Wissen-Band startet mit Schach auf höchster Ebene: Ausschnitte zweier Weltmeisterschaftduelle werden mit Kurznotationen und Schachdiagrammen vorgestellt (S. 7-12). Schach ist „ein endliches Zwei-Personen-Nullsummenspiel mit perfekter Information ohne Zufallseinfluss“ (S. 12) und trotz innerer Komplexität einfach zu erlernen und sowohl Wissenschaft als auch Freizeitvergnügen. …

Bild
978-3-499-62204-5
Titel
Als die Deutschen weg waren
Untertitel
Was nach der Vertreibung geschah. Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland
Kurzbeschreibung

Berichte über Flucht und Vertreibung der deutschen Ostbevölkerung zum Ende des Zweiten Weltkriegs finden in Deutschland wenig Beachtung. Zurückliegende Publikationen sind längst in Vergessenheit geraten. Noch weit weniger existieren heute Vorstellungen, wie das Leben in den verlassenen und kurz darauf neu besiedelten deutschen Ostgebieten nach 1945 weiterlief. Ein Autorenkollektiv um die deutsche Journalistin Ulla Lachauer und den polnischen Historiker Włodzimierz Borodziej berichtet in vorliegendem Rowohlt-Band über die Zeit, Als die Deutschen weg waren.

Das Buch kann nur wenige Einzelschicksale beleuchten, die aber als exemplarisch für die Vielzahl von Nachkriegsbiographien gelten können, die mündlich weitergegeben, aber niemals aufgezeichnet wurden.…