Titel
Rom zeichnen
Untertitel
Maarten van Heemskerck 1532 – 1536/37. Humboldt-Schriften zur Kunst- und Bildgeschichte 8
Rezension

Im Dezember 2008 hatten die Herausgeber des anzuzeigenden Bandes zu dem internationalen Colloquium „Die römischen Zeichnungen Maarten van Heemskercks 1532-1536/7“ in das Kupferstichkabinett nach Berlin eingeladen. Dort aufbewahrt sind rund 100 Blatt (79 D2 und 79 D2a) des niederländischen Malers van Heemskerck (1498-1574), die er in den 1530er Jahren während seines Romaufenthaltes anfertigte. Das Konvolut war bereits zwischen 1913 und 1916 durch den Archäologen Christian Hülsen und den Kunsthistoriker Hermann Egger als Faksimile publiziert worden, allerdings mit klarer archäologischer und baugeschichtlicher Schwerpunktsetzung. Die Tagung nun widmete sich vordergründig den von van Heemskerck gezeichneten Originalen; die Ergebnisse des Expertentreffens sind als Aufsätze in den vorliegenden Band eingeflossen, ergänzt um einen Beitrag von Arthur J. DiFuria und 74 farbige Tafeln mit Zeichnungen des niederländischen Künstlers aus dem angesprochenen Sammelbestand in der Buchmitte (S. 71-127). Im Sammelband aufgenommen wurden aus den römischen Skizzenbüchern Wiedergaben von Bauwerken – intakte wie zerstörte -, Landschaften, Rundbilder und Statuenensembles sowie Detailstudien.

Der in Haarlem zum anerkannten Künstler ausgebildete van Heemskerck folgte dem Trend des 16. Jahrhunderts, sich in der niederländischen Malerei mit italischen Themen auseinanderzusetzen. In der bisherigen Rezeption hat man diesbezüglich seine Zeichnungen unter dem Aspekt der detailgetreuen Wiedergabe von Architektur und Plastik betrachtet. Diese Perspektive wollen die sechs veröffentlichten Beiträge durchbrechen. Das einführende Essay von Ilja M. Veldman zeichnet hierzu die Überlieferungsgeschichte der Klebealben 79 D2 und 79 D2a nach, in die auch Skizzen weiterer Künstler Eingang gefunden haben. Sie diskutiert Zuschreibungsfragen und stellt Überlegungen zu unterschiedlichen Funktionen an, die das römische Reisezeichnungsbuch intentional gehabt haben könnte und wie es schließlich vom Künstler genutzt wurde (S. 11-23). Die Mitherausgeberin Tatjana Bartsch untersucht Bewegungsmuster und Zeichnungsroutinen van Heemskercks. Sie stellt somit eine Beziehung zwischen der Bewegung des Künstlers in der Stadt, seinen Beobachtungen und seinen Skizzen her. Der Maler scheint bestimmte, dicht besiedelte Räume gemieden zu haben, und er scheint sich durch die Stadt treiben gelassen zu haben. Somit folgte er nicht einem in Romführern jener Zeit vorgeschlagenen Rundgängen oder den vorgegebenen vermeintlichen städtischen Sehenswürdigkeiten, sondern er hat bewusst eigene Perspektiven schaffen wollen (S. 25-48). Thematisch schließt sich hieran die These Kathleen Christians an, dass van Heemskercks Zeichnungen von Anfang an nicht für eigene Studienzwecke angefertigt wurden, sondern individuelle Entwürfe für das niederländische Publikum waren, in der Malerei als auch im Druckwerk (S. 129-156). Dies führt Fritz-Eugen Keller am Bein des Commodus en détail aus (S. 49-68). Einen weiteren Gesichtspunkt wirft Arthur J. DiFuria auf, der die Zeichnungen als Imagination auf die Ewige Stadt sieht (S. 157-170). Die ästhetische Wirkung der Ruinen als Errungenschaft des 16. Jahrhunderts wird von Martin Stritt kurz und den Band abschließend erläutert (S. 171-178).

Der Band verbindet äußerst gelungen Werkschau, Detailbeschreibung und neue Deutungen miteinander und wird auf die nächsten Jahre hin ein bedeutendes Referenzwerk zu Maarten van Heemskerck sein.

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