Titel
Antike Mythen in der Kunst
Untertitel
100 Meisterwerke
Rezension

Die Zahl an Meisterwerken der bildenden Kunst, die antike Themen zum Vorbild haben und sie zeitgenössisch verarbeiten, sind weit mehr als die hundert, welche Lars Olof Larsson in dem Reclam-premium-Band Antike Mythen in der Kunst vorstellt. Dennoch ist es dem Verfasser gelungen, einen interessanten Querschnitt für eine kunst- und kulturgeschichtlich interessierte Leserschaft zusammen zu stellen. Selbstverständlich dürfen „Highlights“ wie etwa Botticellis „Geburt der Venus“ (S. 42-43), Michelangelos „Bacchus“ (S. 48-49), Cranachs „Urteil des Paris“ (S. 57-58) oder Berninis „Apoll und Daphne“ (S. 118-119) nicht fehlen. Dazu treten exemplarisch noch eine Auswahl der bekannten Radierungen von Picasso (S. 214-215) oder Matisse (S. 220-221), Rundbilder von Rodin (S. 192-193), Maillol (S. 198-199), Kolbe (S. 208-209), Lüpertz (S. 234-235), aber auch Arno Breker (S. 218-219).

Larsson hält für seinen Leserkreis eine ausführliche Einleitung bereit, die die „Antike Mythologie in der bildenden Kunst vom Mittelalter bis heute“ (S. 9-34) inklusive Quellentexte thematisch und chronologisch gegliedert bespricht. Ein Anliegen ist ihm, die vorgestellten Werke vor ihren historischen Horizont zu setzen, die Funktion der Mythologie in der Antike zu beschreiben und die Auseinandersetzung in der Neuzeit zu strukturieren, sowie die verschiedenen Ansätze der Geschichts-, Literatur- und Kunstwissenschaft zu harmonisieren. Jeweils eine Seite Beschreibung ist den in Abbildungen beigegebenen Kunstwerken zugestanden worden, deren Kommentierung auf der zuvor erwähnten Einleitung aufbaut.

Die kunsthistorisch motivierte Reise durch Malerei und Rundbild beginnt um 1400 und schließt 2007 ab; die hier vorliegende Fassung ist bibliografisch aktualisiert. Diese „Literaturhinweise“ (S. 237-240) sind nicht erschöpfend, bilden aber sehr gut einen Querschnitt relevanter monografischer Werke ab; aufgelistete Artikel bilden die Ausnahme. Sind unmittelbare Bezüge auf antike Quellen erkennbar, hat Larsson einen Werkhinweis eingetragen. Erwartungsgemäß sind die Metamorphosen Ovids eine der beliebtesten in Kunstwerke umgesetzten Dichtungen der klassischen Antike (vgl. auch S. 20). Als Hilfe zur Orientierung sind auf den Umschlaginnenseiten eine Genealogie der griechischen / römischen Götterwelt sowie eine Liste der „außerehelich gezeugten Kinder von Zeus / Jupiter“ beigegeben. Ein „Künstlerregister“ (S. 241-243) und ein „Verzeichnis der mythologischen Gestalten“ (S. 244-246) vervollständigen den Band.

Larssons knapp gehaltene Zusammenstellung ist trotz ihrer Verkürzungen äußerst gehaltvoll. Seine Einführung im Kontext der Kurzbeschreibungen präsentiert 100 ausgesuchte Meisterwerke, die, über die Welt verteilt, in diesem Buch zusammengetragen deutlich machen, wie sich die Antike im jeweils sich ändernden Gegenwartsverständnis der Künstler verschiedener Epochen und ihrer zeitgenössischen Rezipienten immer wieder neu erfindet und sich ihren Platz in Kultur und Gesellschaft erobert – bis heute und sicher auch in Zukunft.

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