Titel
Das große Bildlexikon der Bibel
Rezension

Es ist Bertold Brechts Lieblingsbuch gewesen und nach wie vor das meistgedruckte, am häufigsten übersetzte und am weitesten verbreitete Buch der Welt: die Bibel. Ihre Erzählungen und Geschichten, die Psalmen wie die Offenbarungen haben seit früher Zeit Künstler inspiriert, die Texte vor allem in Bilder umzusetzen. Altes wie Neues Testament sind hierbei immer wieder Impulsgeber gewesen, um biblische Themen entweder historisierend oder aktualisiert auf Kalkwände, Papyrus, Leinwand oder Teppiche – um nur einige Beschreibstoffe zu nennen – zu übertragen.

Aus der Fülle der Bildwerke, die über wenigstens zwei Jahrtausende entstanden sind, haben die Autoren Chiara de Capao und Stefano Zuffi einen Band zusammengestellt, der nach Altem und Neuem Testament getrennt, Hauptthemen der biblischen Erzählungen in bildlicher Darstellung auflistet und erläutert. Die weitere innere Gliederung des Bandes folgt entsprechend der Anordnung der Heiligen Schrift. Die Autoren stellen Motive zu folgenden Themenbereichen vor: 1. Von der Erschaffung der Welt bis zum Turmbau zu Babel; 2. Die Geschichte Abrahams; 3. Jakob und seine Söhne; 4. Von Ägypten in das Gelobte Land; 5. Saul, David und Salomo; 6. Geschichte und Heroen des Volkes Israel; 7. Weisheitslehrer und Propheten und 8. Die Familie Jesu; 9. Geburt und Kindheit Jesu; 10. Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers; 11. Das öffentliche Leben und Wirken Jesu; 12. Wunder und Gleichnisse; 13. Die Passion sowie 14. Nach der Auferstehung. Beide Autoren haben 2003 bereits Old Testament Figures in Art vorgelegt, dessen Ergebnisse in diesen Band eingeflossen sind und von Karl Pichler adäquat übersetzt und bearbeitet worden sind.

„Die Erschaffung des Menschen“ als ein Beispiel für ein biblisches Thema wird anhand der Malereien von Mariotto Albertinelli und des Michelangelo sowie des Mosaiks im Dom von Monreale vorgestellt. Die Autoren verweisen auf die biblische Quelle sowie den Text (anhand der sog. Vulgata, der lateinischen Bibel) und skizzieren kurz deren Inhalt bzw. die Positionierung des Bildes innerhalb eines Zyklus’. Die Analyse der Bilder besteht aus einer Benennung der dargestellten Personen, Handlungserläuterungen und möglichen Textbezüge einzelner Szenen auf die Bibelverse. Dieses Prinzip wird auf zahlreiche Unterthemen angewendet und führt den Leser so in die Bild-, Formen- und Symbolsprache abendländisch-christlicher Kunst ein.

Die Bildauswahl wie auch deren Reproduktion ist vorbildlich und schließt alle Epochen ein, wobei die meisten gezeigten Bilder aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert stammen. In einigen wenigen Fällen wie z. B. der „Opferung des Isaak“, „Mose“, „Der brennende Dornbusch“, „David“ oder „Weihnachten“ sind plastische Werke ergänzend hinzu genommen und beschrieben worden.

Das Betrachten des Buches, das Stöbern in den verschiedenen Abschnitten und das Durchlesen der Erläuterungen ist für den an sakraler Kunst Interessierten wie für den Christen mit Interesse an der sakralen Bilderwelt ein wirkliches Vergnügen.

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