Titel
Rasende Reporter
Untertitel
Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus. Fotografie, Presse und Gesellschaft in Österreich 1890 bis 1945
Rezension

Die Pressefotografie ist aus der gegenwärtigen Berichterstattung nicht wegzudenken; teilweise sind die Fotos aufgrund ihrer Professionalität, aber auch ihrer Nachbearbeitung weit eindringlicher als der sie erläuternde Text. Allzu oft sind es Bilder, die sich in das Gedächtnis eines Betrachters oder gar einer ganzen Gesellschaft schon beinahe einbrennen und zudem auf einer starken emotionalen Ebene wirken. „National Geographic“ etwa ist ein solch bildgewaltiges Magazin, und kaum einer wird nicht – bewusst oder unbewusst – schon einmal ein Bild aus dieser Quelle betrachtet haben.

Anton Holzer, renommierter Fotohistoriker, zeichnet anhand historischer Aufnahmen eine Entstehungsgeschichte des modernen Pressfotos nach. Als Quellen dienen ihm veröffentlichte österreichische Fotografien der Jahre 1890 bis 1945. Abgebildet werden bekannte Persönlichkeiten, Alltagsszenen, besondere Ereignisse, Modetrends, Kriegsszenen, technische Errungenschaften, Räume und Orte sowie Sport- und Kulturveranstaltungen.

Holzer hat sich der Verwendung von Pressefotografien thematisch genähert und nicht, wie man bei der Darstellung einer Kulturgeschichte auch hätte erwarten können, etwa chronologisch.

Die einzelnen, dabei entstandenen Essays sind treffend und gut leserlich verfasst, mit großer intellektueller Tiefe vorgetragen und entbehren nicht einem wissenschaftlichen Anspruch, das Thema vielschichtig anzugehen und es mit neuen Impulsen voranzutreiben; ein Sachbuch im besten Sinne. Text und beigegebene Bilder bilden eine klar erkennbare Einheit, und der Fotofundus, auf den Holzer zurückgreifen kann, ist immens groß und variabel. Frühe Zeichnungen komplettieren bzw. kontrastieren das Bildmaterial. In das Buch aufgenommen hat Holzer ferner Fotomontagen, die auf ein – das ganze Buch durchziehende – Hauptanliegen Holzers hinweisen: das Foto als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, in denen der Fotograf selbst Teil, zugleich aber auch kommentierender Beobachter ist. Das Oeuvre eines Fotografen wird durch die Verwendung seiner Bilder ergänzt und spiegelt dadurch wider, wie sich gesellschaftspolitische Zusammenhänge in der Auswahl der Bildmotivik und ihrer späteren Verwendung beeinflussen. Einher geht dies, wie Holzer zeigt, mit einem immer größer werdenden Ansehen des Berufsfotografentums. Dieser opulente und auf der Höhe der Forschung stehende Band kann nur auf das Wärmste empfohlen werden, und dies nicht nur dem an Fotografie begeisterten Kunstliebhaber, sondern auch dem Historiker und Journalisten mit modern-zeitgeschichtlichen Interesse. Das Buch ist gleichzeitig als Digitalisat verfügbar unter http://e-book.fwf.ac.at/o:564.

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