Titel
Blutzeuge
Untertitel
Tod und Grab des Petrus in Rom
Rezension

Vorliegender Band ist aus der kritischen Auseinandersetzung mit dem Buch Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse des Altphilologen Otto Zwierlein entstanden. Aufgenommen sind hierzu drei Beiträge, die auf der Tagung des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft am Campo Santo Teutonico im Frühjahr 2010 gehalten und entsprechend erweitert wurden, um Hintergrundinformationen zu einzelnen Aspekten der Essays zu geben.

Streitpunkt ist die These Zwierleins, Petrus sei nie in Rom gewesen, also sei er dort auch nicht gestorben und daher gibt es dort auch kein wirkliches Grab (S. 7). Zwierlein stellt damit die Anfänge der Apostel- und Märtyrerverehrung in Frage.

Die Autoren des Bandes widersprechen diesen Annahmen und sehen ihr Ziel darin, „die Treue und Zuverlässigkeit der frühchristlichen Überlieferung zu würdigen“ (S. 8), die philologischen Traditionen zu den Aposteln in ihre theologisch-archäologische Kontexte zu setzen und darauf aufbauend zu interpretieren (S. 8), die Zweifel an der Echtheit einzelner Texte zu zerstreuen (S. 9) sowie die erarbeiteten Gegenthesen in eine Erkenntnis des Gesamtbildes der Anfänge der Martyrerverehrung einzupassen (S. 9).

Die Beiträge fokussieren sich auf die literarischen Zeugnisse der Petrustradition, auf den Römerbrief des Ignatius von Antiochia, auf die Gräberverehrung der Märtyrer und die Entstehung und Fortführung einer Tradition der Märtyrerverehrung. Der Übersicht halber ist das Buch in zwei Abschnitte geteilt, der erste „Petrus in Rom“ (S. 13-108), der zweite „Jubel am Grab“ (S. 111-196). Der zweite Teil setzt sich mit der Umwelt auseinander, in der frühe Christen ihre Gräber und insbesondere die Märtyrerfriedhöfe angelegt haben; der erste Abschnitt geht auf die testamentarischen Quellen ein, die Auskunft über die römische Apostelverehrung und Märtyrerüberlieferung geben.

Abbildungen im Band sind spärlich, dies ist den eng umgrenzten Fallbeispielen geschuldet, jedoch hätte zusätzlich erläuterndes Kartenmaterial den Band aufgewertet wie z. B. Grundrisse oder Fotografien etwa der Apostelbasiliken. Zur Orientierung würde zudem ein Stadtplan Roms konstantinischer Zeit mit den im Buch erwähnten Bauten (also über Abbildung 7 hinaus z. B. mit Angabe des Circus Maximus oder der Maxentius-Konstantin-Basilika) gleich zu Beginn des Buches dem in der römischen Topografie nicht bewanderten Leser eine willkommene Hilfestellung sein.

Ansonsten fällt auf, dass im anzuzeigenden Band viele Informationen und Thesen redundant sind. Besonders gleiche Zitate aus dem Römerbrief des Ignatius erscheinen doppelt (S. 86, 2.1; S. 97, 2.1) oder inhaltlich sich wiederholend. Abweichende Deutungen etwa zu Ign. Rom. 4,3 (S. 77, Fußnote 143 vs. 101 ff.) liegen in der Intention der Autoren begründet, die sich aber ihre Themenfelder hätten gegenseitig anders abstecken können. Auch hätten die Überlegungen von Christian Gnilka (S. 72 ff.) und Stefan Heid (S. 166 ff) zum Martyrium des Petrus und des Paulus „zur gleichen Zeit“ an einer Stelle zusammengefasst werden können. Nicht uneingeschränkt folgen kann Rezensent den Thesen Heids zur Eucharistiefeier und der Bedeutung des Märtyrergrabs: So schreibt Heid auf Seite 148, „der erstrangige Traditionsträger der Kirche“ sei „die Gemeindeversammlung“ – so argumentiert etwa auch Ignatius mit Hinweis darauf, er wolle kein Grab – dann aber bringt Heid kurz danach, ebenfalls auf Seite 148, das Märtyrergrab als „Ort der Erinnerung“ ins Spiel, um auf Seite 173 darauf hinzuweisen, dass auch ein Märtyrerkult ohne Grab in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts möglich war. Das Verhältnis zwischen Eucharistie, Märtyrer und Grabstätte hätte konsistenter dargestellt werden müssen (vor allem das Verhältnis Märtyrer, Martyriumstag und Grab angesichts einer Praxis des Märtyrerkults ohne Grablege).

Anzuzeigendes Buch ist charakterlich eine breit angelegte Rezension zu dem von Zwierlein vorgelegten, zuvor erwähnten Band; dies mit polemischen Zügen (etwa: „Man gab diesem Verschiebebahnhof den schönen Namen Mythentheorie“, S. 119) und, für eine wissenschaftliche Publikation ungewöhnlich, beinahe schon persönlichen Angriffen gegen den Altphilologen; ein unaufgeregterer Umgang mit Zwierleins Thesen hätte dem Blutzeugen besser zu Gesicht gestanden.

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