Titel
Geschichte der Altertumswissenschaften
Untertitel
Biographisches Lexikon. Der neue Pauly - Supplemente; Bd. 6
Rezension

Mit den Supplementen zum Der Neue Pauly (DNP) haben seine Herausgeber mit den bisher erschienenen Bänden wertvolle, zusätzliche Informationen zu den bisherigen Einträgen im DNP zusammengestellt. Der anzuzeigende sechste Band schließt inhaltlich an das vierte Supplement an, der als Register zu den Bänden 13-15/3 konzipiert worden war (vgl. http://www.wla-online.de/katalogdetail/items/2358.html). Das quasi als Fortsetzung anzusehende Biographische Lexikon. Geschichte der Altertumswissenschaften versammelt ausführliche Lebensläufe zu Gelehrten und Wissenschaftlern. Aufgenommen wurden ausschließlich verstorbene Persönlichkeiten, darunter Ägyptologen, Althistoriker, Altorientalisten, Antiquare, Archäologen, Epigraphiker, Numismatiker, Papyrologen und Philologen. Ergänzend finden sich unter den eingetragenen Namen auch Personen, die die Altertumswissenschaften nachhaltig beeinflusst haben wie z. B. Max Weber, Karl Polanyi oder Goethe (vgl. Vorwort, S. XIII-XIV). Der erschlossene Zeitraum beginnt bei Petrarca und reicht bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts (vgl. S. XV-XLVI). Dennoch liegt der Schwerpunkt der Einträge auf Wissenschaftlern des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Benutzer findet neben den biographischen Artikeln, die alphabetisch sortiert sind und mit Hilfe von Verweisen weniger geläufiger Namensschreibungen zu den Haupteinträgen führen, eine Einleitung über die Etablierung der Altertumswissenschaften, eine Autorenübersicht mit den verfassten Lexikoneinträgen, eine chronologische Reihung der Gelehrtennamen, die Eingang in das Supplement gefunden haben, ein Personenregister, das alle im Band erwähnten Namen auflistet, Abkürzungsverzeichnisse sowie eine Transkriptionstabelle für Griechisch. Damit ausgestattet lässt dieses biographische Lexikon keine Wünsche offen.

Die in das Buch aufgenommenen Forscher können mit ihrem (wissenschaftlichen) Werdegang, ihrer Lehr- und Sammeltätigkeit, ihrem Werk, einer Würdigung und Wirkung ihrer Arbeit, einem Auszug aus ihrem Schriftenverzeichnis und ausgesuchter Sekundärliteratur abgebildet werden. Die Gewichtung lag jedoch in der Verantwortung der Autoren. Volker Riedel z. B., ein Kenner der Weimarer Klassik und ihrer Nachfolgezeit, verzichtet in seinem Goethe-Eintrag auf die Erwähnung der zwar kleinen, aber existenten Altertümersammlung sowie der Gipse mit Antikenbezug. Und auch wenn, wie im Vorwort dargelegt, wissenschaftlicher „Fortschritt oft einzelnen Wissenschaftlern, ihren Fragestellungen, ihren Forschungsinteressen und ihrer Kreativität zu verdanken ist“, geschieht dies doch meist in einem institutionalisierten Umfeld. Was der zwangsweise Verlust einer etatisierten Forschungsstelle und der Arbeitsmöglichkeiten etwa in Deutschland während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bedeutete, wird in den biographischen Einträgen sehr unterschiedlich ausgedeutet. Hier ist einmal diffus von „den üblen polit. Bedingungen der Zeit“, dort von „antisemitischer Diskriminierung“ die Rede. Erfreulich konkreter und damit verständlicher sind z. B. die Ausführungen von Stefan Kipf zu Hans Drexler, die gut darlegen wie der klassische Philologe dank nationalsozialistischer Parteizugehörigkeit eine Forscher- und daruffolgend die Rektoratsstelle an der Universität Göttingen bekleiden konnte, oder, wie Hermann Hunger zusammenfasst, Otto Neugebauer mit der Weigerung des „Treueeids“ auf Hitler seine Professorenstelle verlor.

Die Auswahl der abgehandelten Forscher ist nachvollziehbar und repräsentativ. Das Biographische Lexikon hinterlässt einen äußerst positiven Eindruck aufgrund der klugen Gliederung und Systematik, der gelungenen Präsentation und Übersichtlichkeit sowie der ausgezeichneten Auswahl und Aufbereitung.

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