Titel
"Denn ich bin ein König, der die Maat liebt".
Untertitel
Herrscherlegitimation im spätzeitlichen Ägypten
Rezension

In den letzten Jahren sind Bearbeitungen von Textgattungen wieder verstärkt in den Fokus der Wissenschaft gerückt worden. Herauszustellen ist dabei z.B.. die zweibändige Arbeit von Silke Grallert zu den ägyptischen Bau- und Restaurierungsinschriften von den Anfängen bis zur 30. Dynastie mit dem Titel 'Bauen ' Stiften ' Weihen' (Berlin: Achet, 2001); im Rahmen einer Strukturanalyse am Einzelwerk hat 2004 Beate Hofmann 'Die Königsnovelle' vorgelegt (Wiesbaden: Harrassowitz). Peter Beylage, 'Aufbau der königlichen Stelentexte vom Beginn der 18. Dynastie bis zur Amarnazeit' (Ägypten und Altes Testament; 54. Wiesbaden: Harrassowitz, 2002) und Lutz Popko, 'Untersuchungen zur Geschichtsschreibung der Ahmosiden- und Thutmosidenzeit. '...damit man von seinen Taten noch in Millionen von Jahren sprechen wird.‛' (Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens. Kulturgeschichtliche Beiträge zur Ägyptologie; 2. Würzburg: Ergon, 2006) sind zwei weitere Beispiele, die verschiedene Methoden und Analyseverfahren hierzu vorstellen.

Königsideologisch mit einem Schwerpunkt auf dem frühen ägyptischen Herrschertum arbeitet seit langem Rolf Gundlach, der seine Ergebnisse und die zahlreicher Kollegen inzwischen in einer eigenen Reihe veröffentlichen kann (Beiträge zur altägyptischen Königsideologie; Wiesbaden: Harrassowitz).
Blöbaums Arbeit ist somit augenscheinlich 'am Puls der Zeit' und damit wissenschaftlich aktuell; darüber hinaus schließt sie eine lange vorhandene Forschungslücke, nimmt sie sich gerade der sog. spätzeitlichen Texte (1. Jts. v.Chr.) an.

Ihre Untersuchung ist durchweg sehr gut lesbar verfasst, ihre Vorgehensweise knapp, aber ausreichend dargestellt und nicht unnütz theorieüberfrachtet. Vier übergeordnete Kapitel (Einführung, Auswertung, Herrscherlegitimation im spätzeitlichen Ägypten, Anhang) geben dem Leser alle nötigen Quellentexte, das Auswertungsverfahren, Analyseergebnisse und detaillierte Übersichtslisten an die Hand, mit deren Hilfe er sich bestens im Buch orientieren kann. Erläuternde Grafiken und Tabellen fassen das im Text Beschriebene überblicksartig zusammen. Über 200 Seiten wurden den ausführlichen Königsnamenschreibungen, Quellenangaben und Referenzen sowie der Literatur eingeräumt. Innerhalb der verbleibenden 280 Seiten nehmen einen Löwenanteil die Legitimationsprinzipien des Königs ein, der seine Funktion als Pharao aufgrund der eigenen Wirksamkeit (A, S. 31-129), aufgrund der Amtsvorgänger (B, S. 131-173) und unter Berufung auf die Götterwelt (C, S. 175-273) begründen kann. Einher gehen diese Qualifikationen über Schlüsselbegriffe (HqA, sSm, nb, jty u.a. oder mrj, stp usw.), die nach Ansicht des Rezensenten ein gelungenes, da textimmanentes Gliederungsmerkmal darstellen; sie grenzt sich damit von Ansätzen etwa von Blumenthal, Grimal, Schade-Busch, Pressl und Thiem (vgl. S. 23) erfreulich ab, die noch an selbst festgelegten inhaltlichen Merkmale für ihre eigenen Analysen festgehalten hatten. Ausgangsmaterial sind jeweils offizielle Repräsentationen des Königs, d.h. keine Inschriften königlicher Verwandter oder funeräre Texte.
Einschränkend ist anzumerken, wie Blöbaum selbst zu bedenken gibt, dass die Quellentexte der verschiedenen Dynastien in unterschiedlicher Quantität und Qualität überliefert sind, weshalb ihre Untersuchung in erster Linie Legitimationskonzepte nachzuweisen sucht.

Sehr anschaulich kann sie darstellen, dass neben jeder der oben erwähnten drei Hauptgruppen weitere Unterprinzipien geschaffen worden sind, mit deren Hilfe sich ein Pharao an eine oder an mehrere Legitimationsstrategien anlehnt. Jeder König folgt dabei einem 'planvollen und durchdachtem Konzept' (S. 280), das einen konkreten Adressatenkreis zu bedienen versucht. Usurpatoren verfolgen dabei ein mehrfach abgesichertes Legitimationsprinzip, was nachhaltig verdeutlicht, wie wichtig Phraseologien (auch noch) in der sog. Spätzeit sind. Selbst ein Alexander III. (der Große), dessen militärische Überlegenheit in Ägypten außer Frage steht, lehnt sich z.B.. bei der Titulatur seines Horusnamen an zahlreiche ägyptische Vorgänger an (selbst an die der letzten einheimischen Dynastie der Sebennyten, aus deren Geschlecht ein Nachfolger unter Alexander d.Gr. als Generalissimus dient).

Anke Blöbaum hat mit ihrer Untersuchung ' die ihren Ursprung in einem SFB gehabt hat, was unterstreicht, wie wichtig wissenschaftliche Förderung auch sog. 'kleiner' geisteswissenschaftlicher Fächer ist ' viel mehr als eine Quellentextsammlung vorgelegt wie andere zuvor. Aus ihrer akribischen Analytik heraus sind klare Klassifikatoren abzulesen, nach welchen Konzepten Herrscher über Ägypten ihr Königtum zu stabilisieren suchten. Über bislang vorliegende Textuntersuchungen hinaus hat die Verfasserin diese Prinzipien in ein Konzept von Königtum eingepasst und mithilfe historischer Parameter präzisiert. Auf Grundlage dieser Ergebnisse lassen sich weitergehende Fragestellungen (z.B.. zum Verhältnis zwischen Tempel und König, Struktur der Landesverwaltung u.a.m.) unter Zuhilfenahme der neuen Parameter vorliegender Arbeit Erfolg versprechend angehen. Auch wenn Blöbaum (anscheinend) nur einen kleinen Forschungsbereich untersuchte, ist es eine großartige Arbeit geworden, denn die Autorin hat es verstanden, ein Desiderat vorbildlich (auch für Wissenschaftler anderer Disziplinen nachvollziehbar) aufzubereiten.

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