Titel
A Ptolemaic Lexikon
Untertitel
A Lexicographical Study of the Texts in the Temple of Edfu
Rezension

Penelope Wilson hat mit dem Ptolemaic Lexikon ein herausragendes Buch erstellt: Der gewaltige Umfang von eingeflossenen Inschriften der Zeit zwischen 237 und 57 v. Chr. hat zu insgesamt 4 060 lexikalischen Einträgen geführt. Berücksichtigt wurden dabei lediglich Texte, die sich auf den Tempelwänden von Edfu erhalten haben. Angesichts der großen Differenzen in Vokabular und Schreibung, die bei den verschiedenen ägyptischen Tempeln der griechisch-römischen Zeit zu beobachten sind, ist die Entscheidung, zur Erstellung eines Wörterbuchs lediglich einen Corpus zu verwenden, gerechtfertigt und auch richtig. Insgesamt wird der bisherige Wortbestand dadurch um 451 Einträge erweitert (vgl. S. XIV).

Wilsons Buch steht in einer Reihe relativ neuer Werke, die die bislang vernachlässigte Forschung der griechischen und römischen Herrschaft über Ägypten beleben helfen. Zurückgegriffen hat sie dabei auf Vorarbeiten von A. M. Blackman und H. W. Fairman in Form eines Belegstellenindex mit etwa 32 000 Karteikarten (vgl. S. IX, Anm. 27).
Die Lemmaeinträge sind nach folgendem Prinzip aufgebaut: Transkription des altägyptischen Wortes - die Umschrift folgt der des Wörterbuches der Aegyptischen Sprache (Wb) von A. Erman und H. Grapow, jedoch ohne Stammtrennung (jagw.t, waä.ty, msdt.tj, #nm.t, #ä.t, #ään.t und xpö.wy haben sich als Fehler eingeschlichen) -, hieroglyphische Schreibung und Referenz. Im jeweils nachfolgenden Absatz hat Wilson Textgebrauch des Wortes, Wortverbindungen u. ä. zusammengestellt.

Etwas undurchsichtig erscheint die Anordnung der ägyptischen Lemma. Üblich ist eine Zusammenführung etymologisch verwandter Wörter durch Reihung, was P. Wilson auch berücksichtigt (z.  B. pa, 'to fly'; folgend payw, 'birds'). Leider gibt es durchlaufend Ausbrecher und andere Eigentümlichkeiten: psäntyw, 'new moon' hinter psä, 'back' zu setzen, ist zwar durch L. Borchardts Auffassung gestützt, es gibt aber auch eine Reihe von Wissenschaftlern, die psäntyw mit psä, 'shine' oder der Zahl 9 in Verbindung bringen. Dies würde eine Platzierung weiter hinten im Ptolemaic Lexikon fordern (wie im übrigen auch das Wb psäntyw ohne etymologischen Bezug als Einzelwort hinter die Wörter psä setzt). Bei unsicheren Ableitungen wäre eine Einordnung nach ägyptologischem Alphabet sicher ratsamer. Ferner unklar ist, warum msj, 'to give birth' getrennt von msw, 'children' ist oder z. B. warum Mhy, 'Thot' in Verbindung mit m#, 'fill' stehend zwischen m#, 'crown of Lower Egypt' und m#w, 'Lower Egypt' gesetzt worden ist.

Man benötigt zum Auffinden mancher Wörter Wilsons (spezielles) Hintergrundwissen, um zu erkennen, warum was wo steht. Da dies im Buch aber nicht erläutert wird, ist ein ständiges Suchen notwendig, ob ein zuvor nicht gefundenes Lemma eventuell doch an anderer als an der erwarteten Stelle vorhanden ist. Besser wäre gewesen, die alte Reihung des Wb beizubehalten oder konsequent ohne etymologischen Bezug nach der ägyptologischen Sortierung aufzureihen.

Ungeachtet obiger Monita ist das Ptolemaic Lexikon ein äußerst hilfreiches Werk, auf das der Rezensent nicht mehr verzichtet möchte. Denn dank seiner Ausführlichkeit und seiner Übersichtlichkeit ist es nicht nur zur Bearbeitung griechisch-römischer Texte ein verläßlicher und nützlicher, weil rascher Ratgeber.

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