Titel
Feindliche Übernahme
Untertitel
Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht
Rezension

Deutschland schafft sich ab, laviert zwischen Wunschdenken und Tugendterror. Hinzu gesellt sich religiöser Wandel, der sich zunehmend durch Feindliche Übernahme durch den Islam vollzieht, die Berlins früherer Finanzsenator Thilo Sarrazin in aktuellem Buch beschreibt. Für Random House, Sarrazins bisherigen Hausverlag, ist ein kritisches Islambuch eines agnostischen Beobachters offenbar ein zu heißes Eisen. Erschienen ist der neue Band von Sarrazin daher beim Münchener Finanzbuch Verlag.

Autor leitet mit Koranexegese in die Religion des Islam ein (S. 23-71). Die Kernaussagen, die das wichtigste Buch der Muslime unter anderem zu Gott, Mohammed, Ungläubigen, Dschihad und Frauen liefert, sind durch zahlreiche Wiederholungen gekennzeichnet. Doch gerade dadurch „gewinnt der oft zusammenhanglose Text eine überraschende Klarheit“ (S. 24), die ein erstes Zwischenfazit ermöglicht: Der Islam, der aus dem Koran spricht, fördert Hass auf Ungläubige, wendet sich gegen selbstständiges Denken und perpetuiert ein hierarchisches Verhältnis der Geschlechter. Technisch-zivilisatorischer Rückstand in der islamischen Welt bei gleichzeitiger demographischer Expansion sind dabei die auffälligsten Folgeerscheinungen (S. 71).

Die islamische Staatenwelt, die Sarrazin beschreibt (S. 73-127), geriet durch die innewohnende und früh angelegte entwicklungshemmende Orthodoxie des Islam „schleichend in eine geistige und wirtschaftliche Stagnation und verlor den Anschluss an den wissenschaftlichen und zivilisatorischen Aufstieg des Abendlandes“ (S. 78). Sarrazins historischer Exkurs zur Islamentwicklung ist dreigeteilt: Der Herrschaftsraum des Islam blühte zunächst auf, erlebte dann langsamen Niedergang durch Kolonialisierung und Verwestlichung, um zuletzt eine Phase der Reislamisierung und des Fundamentalismus zu durchlaufen, die bis heute anhält (S. 73-86). Hinzu kommt das demographische Gewicht: „Die kombinierte Nettoreproduktionsrate der islamischen Welt liegt bei 1,65. Das heißt, jede nachfolgende Generation ist um zwei Drittel größer als die vorhergehende“ (S. 88). Nicht minder gravierend ist das Fehlen von Prosperität, Wissenschaft, Technik und Innovation als auch von demokratischer Stabilität, Menschenrechten und eines Minderheitenschutzes in den Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung. Sarrazin belegt dies mit veröffentlichten Berichten der Magazine Times Higher Education und Economist als auch mit Studien von Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Transparency International (S. 93-99). Zugespitzt: Islamische Staaten exportieren Erdöl, keine Nobelpreisträger. Sarrazin verweist zwar auf die „innere Differenzierung der Staaten und Regionen“ (S. 99), doch „in allen Ländern ist die hemmende Wirkung des Islam für Modernisierung, Wissen, Wohlstand und Freiheit übermächtig spürbar“ (S. 127).

Die augenfällige Rückständigkeit schafft „Problemzonen islamischer Gesellschaften“ (S. 129-239). Das Denkgebäude des Islam fußt auf „Desinteresse an allem, was jenseits der Religion und des eigenen unmittelbaren Lebenskreises liegt“ (S. 134). Desinteresse an Neugier, Forschergeist und Bildungseifer, an polyphoner Musik, Patentanmeldung und Komödie. Was im Orient gelebt wird, setzt sich im westlichen Europa fort: „Frauen im Hidschab und ihre Männer sieht man in London, Paris oder Berlin zwar mit Kinderwagen auf den Straßen oder als reiche Kundinnen aus den Ölstaaten im KaDeWe oder bei Harrods, kaum jedoch in Buchhandlungen, in Museen, in der Oper, in Konzerten oder bei der Besichtigung von Schlössern und Kirchen“ (S. 137). Islam bedeutet „ungeheure Verarmung“ (S. 139), die sich im Geschlechterverhältnis fortsetzt. Sarrazin ist überzeugt, „dass die Stellung der Frau in der Religion des Islam [...] zentral für nahezu alles steht, was an dieser Religion problematisch ist“ (S. 165). Wenn eine Generation junger Machoprinzen im Jungfrauenwahn Mädchen nur als willige Objekte des Besitzes wahrnimmt, schließt sich der „Kreislauf der islamischen Rückständigkeit“ (S. 174), denn „wo dem Partner die Erfahrung und die Vergleichsmöglichkeiten fehlen, ist die eigene Heldenrolle geradezu unvermeidlich“ (S. 177).

Erst spät kommt Sarrazin auf Muslime in den europäischen Gesellschaften zu sprechen (S. 241-368). Islamisierung ist von Finnland bis Spanien ein europäisches Phänomen. Durch die strukturelle Unterlegenheit der islamischen Welt in nahezu allem, was sich in Gesellschaften des Abendlandes an Stabilität, Wissen und Innovationskraft hervortat, „wurde es attraktiv, in den Westen auszuwandern, auch wenn man die westliche Kultur ablehnt und gläubiger Muslim ist“ (S. 241). Der importierte muslimische Lebenskosmos orientalischer Mehrheitsgesellschaften blieb dabei nahezu unverändert und prägt heute die europäischen Parallelgesellschaften des Islam, wie sie sich von Malmö über Brüssel bis nach Berlin-Neukölln längst verfestigt haben. Das „präzedenzlos Einmalige an der muslimischen Zuwanderung“ ist hierbei, dass sie „oft einher[geht] mit dem Versuch, die eigenen kulturellen und religiösen Maßstäbe und Lebensweisen dem Aufnahmeland aufzuzwingen“ (S. 245). Zum präzedenzlos Einmaligen mag auch zählen, dass deutscher Xenophilie mit vielerlei Formen von Gewaltkriminalität, Deutschenhass und Treibjagd auf Frauen begegnet wurde. Zur sozioökonomischen Situation deutscher und europäischer Muslime, zu Bildung, Erwerbsleben und mentalen Aspekten (S. 264-349) weiß Sarrazin zu resümieren, dass Muslime durch überdurchschnittliche Geburtenzahlen bei gleichzeitiger unterdurchschnittlicher Bildungsleistung und Arbeitsmarktbeteiligung auffallen (S. 349).

Was also tun? Zum Abschluss (S. 369-422) hat Sarrazin wenig Ermutigendes zu bieten. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Religion des Islam findet in Deutschland nicht statt. In hiesiger Islamdebattenkultur, einer in Zeitungswald und Fernsehlandschaft längst etablierten „weichgespülten Leisetreterei“ (S. 372), erhält der Islam Absolution, „indem man behauptet, dass Fundamentalismus, Gewalttendenz, Terrorismus etc. mit dem wahren Islam gar nichts zu tun haben“ (S. 381). Im Gedankenexperiment nennt Sarrazin Faktoren, die Deutschlands und Europas Zukunftsentwicklung günstig beeinflussen könnten (S. 382-425). So sollten wir in der Positionierung gegenüber dem Islam „unsere eigenen Standards immer wieder deutlich machen und […] verhindern, dass die künftige Einwanderung nach Deutschland und Europa wie in den vergangenen Jahren vornehmlich aus Muslimen besteht“ (S. 412). Konkret: Schluss mit muslimischer Einwanderung. Ein von Muslimen selbst initiierter Prozess der Liberalisierung, der einen von Kopftüchern und Terrorismus bereinigten, demokratiekompatiblen Euro-Islam hervorruft, bleibt Utopie. Sarrazin schließt: „Bei unveränderter demografischer Dynamik und unveränderter Einwanderung ist der Islam in Deutschland und Europa langfristig auf dem Weg zur Mehrheitsreligion“ (S. 423).

Sarrazins vorgeschalteter Exkurs zur islamischen Religion und Staatenwelt mitsamt den inhärenten Problemen nimmt viel Raum ein. Was sich an feindlicher Übernahme in Deutschland ankündigt, erfährt der Leser spät. Islam ist hier Bedrohungsszenario, das Sarrazin kulturhistorisch herleitet und mit Studien, Zitaten und tabellarischen Übersichten verdichtet. Die religiöse Essenz des privat gelebten Islam in Deutschland hat er dabei nicht im Blick. Sarrazin beschreibt eine politisierte, ferngesteuerte und auf gewollte Bevölkerungsexplosion setzende Religion, die mit westlichen Werten nicht kompatibel ist. Feindliche Übernahme ist eine notwendige und überfällige Tabuverletzung, zugleich ein faktenorientierter Gegenpart zum euphemistischen Wohlfühl-Islamdiskurs in Deutschland. Thilo Sarrazins Deutschland ist dabei nur vordergründig stark – als Wirtschaftsmacht. Eigentlich beschreibt er ein sehr schwaches Land. Was dem Islam in Deutschland zu wachsender Omnipräsenz verhilft, wird in diesem Buch einseitig eingefangen. Ein Schwachpunkt. Den Aufstieg des Islam in Deutschland hat nicht allein „Einwanderungsdruck“ (S. 392) verursacht. Vielmehr haben Generationen nichtmuslimischer Deutscher ihn arglos-permissiv gewähren lassen. Bis heute.

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