Titel
Eine Welt aus Zeichen
Untertitel
Die Geschichte der Schrift
Rezension

In seinem Werk über die Geschichte der Schrift will Martin Kuckenburg, Wissenschaftsjournalist und Autor mehrerer historischer und archäologischer Sachbücher, keinen vollständigen Überblick über alle Schriftsysteme bieten, sondern vielmehr die Entwicklung der Schrift in den letzten 5000 Jahren skizzieren. Dafür wählt er einen kulturgeschichtlichen Ansatz: Er beschreibt die Schriftsysteme in ihrer Struktur und historischen Entwicklung und beleuchtet zudem ihre Rolle für die Gesellschaft.

Das Buch folgt einer chronologischen und regionalen Gliederung und ist dreigeteilt. Der erste Teil „Bild und Keil – Die frühen Schriftkulturen des Alten Orients“ (S. 18–93) beschäftigt sich mit den ägyptischen Hieroglyphen und den Keilschriften des Alten Orients. Im zweiten Abschnitt, „Orakelknochen und Maya-Glyphen – Schriftsysteme in anderen Weltteilen“ (S. 94–123) befasst sich der Autor mit den voralphabetischen Schriftsystemen in verschiedenen Weltregionen. Neben einer Beschreibung des chinesischen Schriftsystems und einem Exkurs zur japanischen und koreanischen Schrift geht der Autor auch auf die Schrift der Maya ein. Auffällig ist, dass Kuckenburg die antiken Hochkulturen untereinander vergleicht und dabei versucht, Verbindungen herzustellen. So sieht er beispielsweise Ähnlichkeiten zwischen dem aztekischen Schriftsystem und der ägyptischen Narmer-Palette, da bei beiden Schrift und Bild eine Einheit bilden würden. Er schließt sein Werk mit Ausführungen zur antiken und modernen Buchstabenschrift („Vom Mittelmeer um die Welt – Entstehung und Siegeszug des Alphabets“, S. 124–202). Von den großen Wort-Laut-Schriften (China, Mittelamerika, Ägypten, Mesopotamien) existiere heute nur noch das chinesische Schriftsystem, was der Autor auf die komplizierte Struktur der Schriften zurückführt. Sie wurden durch das Alphabet ersetzt, welches sich im zweiten Jahrtausend vor Christus im Nahen Osten herausgebildet habe und auf dem fast alle heute verwendeten Buchstabenschriften basieren würden. Einen bedeutsamen Schritt in der Geschichte der Schrift sieht der Autor in der Aufzeichnung von Vokalen. Während der Regierungszeit Karls des Großen entstand mit der karolingischen Minuskel eine einheitliche Buchschrift. Sie bestand circa 400 Jahre lang und kann als wesentlichste Schriftentwicklung des Mittelalters angesehen werden.

In einem Ausblick stellt der Autor schließlich fest, dass auch im Internetzeitalter trotz neuer Formen von Kommunikation die Schrift ihre Bedeutung nicht verloren habe und zentraler Träger der Kommunikation bleibe. Zusätzlich dazu würden Ideogramme eine immer wichtigere Rolle spielen, da sie international verständlich und unabhängig von Sprachen funktionieren würden.

Das Buch zeichnet sich durch einen flüssigen Schreibstil aus, der angenehm zu lesen und leicht verständlich ist. Es enthält zahlreiche Abbildungen, die die Vielfalt der verschiedenen Schriftsysteme visuell unterstreichen. Sie dienen ferner zur Auflockerung des Fließtextes. Der Autor wendet sich mit seinem Werk in erster Linie an ein populärwissenschaftliches orientiertes Publikum, wobei jedoch auch ein fachlich bereits versierterer Leser durch das Buch zu neuen Erkenntnissen gelangen kann.

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