Titel
Wappen
Untertitel
Handbuch der Heraldik. Als "Wappenfibel" begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt
Rezension

Die Heraldik wird in dem vorliegenden Werk umfangreich und auch in seinen Verzweigungen zu benachbarten Forschungsdisziplinen ebenso bündig wie verständlich dargelegt. Die Inhalte beruhen auf einem im Untertitel angegebenen Vorläufer, der ‚Wappenfibel’ von 1887. Die Bearbeiter, die selbst dem „HEROLDs-Ausschuss für die Deutsche Wappenrolle (DWR)“ angehören, belassen diese in weiten Teilen unverändert, nehmen aber behutsam Veränderungen im Dienste von Verständlichkeit und Anwendbarkeit vor. Dies betrifft vor allem die klare Gliederung der Teile „Wappenkunde“, „Wappenkunst“ sowie „Wappengebrauch“, unter Beachtung des Wappenrechts“ (S. 9).

Alle hier dargestellten Wappenbilder lassen sich im Alltag vom staats- bis zum familien- sowie berufsverbandlichen Bereich auffinden. – Das vorliegende Werk stellt ein ebenso wissenschaftlich fundiertes wie einem Ratgeber gleiches Handbuch zur besseren Entschlüsselung und Deutung sowie praktischen, juristisch auch abgesicherten Verwendung von Wappenbildern dar. Bedenkt man deren elementare und verbreitete Funktion: „Wappen sind zumeist Sinnbilder von Familien, sie visualisieren ihre Identität und festigen ihr Zusammengehörigkeitsgefühl“ (S. 9), wird deutlich, dass die Beschäftigung mit Wappen keineswegs eine vermeintlich „überlebte Disziplin“ (S. 10) darstellt. Mit dem aktuellen sozialen Stellenwert von Distinktion (Unterscheidung) sowie Kohäsion (Zusammenhalt) ist den Wappen steigende Bedeutung zugewachsen.

Meint „Herold“ denjenigen, „der die Symbolik der Götter und Geschlechter kennt“, ist das „Wort ‚Wappen’ gleichbedeutend mit ‚Waffen’“ (S. 15). Im geschichtlichen „Abriss“ erweisen sich Wappen als eine genuin mittelalterliche Innovation des 12. Jahrhunderts, ohne antike oder germanische Vorlagen (dies gilt für „Hausmarken“; S. 284; das „Siegelwesen“ war „bereits früher vollzogen worden“; S. 26).

Wichtigste Merkmale von Wappen sind die „leichte Erkennbarkeit der Wappen auf größere Entfernung“ (S. 153) zur Unterscheidung von „Freund und Feind“ (S. 25). – Bis zum 15. Jahrhundert hatte sich die Verwendung von Wappen auf alle sozialen Schichten ausgedehnt (vgl. S. 26/27), auch die Bauern (S. 247). Im 14. Jahrhundert allerdings hatte das Wappen „seine ursprüngliche Bedeutung im Kriegswesen eingebüßt“; es wurde im Turnierwesen ein „Erkennungszeichen im Kampf oder Kampfspiel zum rein dekorativen Symbol“ (S. 30). Seit 1919 besitzt „die Führung von Familienwappen in allen Volksschichten“ eine „neue breitere Grundlage“ (S. 31), wobei die Genealogie „eine unerlässliche Voraussetzung und Ergänzung zur Familienheraldik“ (S. 227/228) darstellt.

Zur Einordnung oder Zuordnung eines bestehenden Wappens, allenfalls als Entscheidungshilfe zur Eigenkreation eines neuen, bietet das Handbuch eine wissenschaftlich präzise Genealogie sowie akribische Beschreibung von Formen, Farben und Figuren, anschaulich durch zahlreiche bildliche, exemplarische Darstellungen; zusammen mit aus Wappen hervorgegangenen Verwandten („Nachbargebiete“): Notarsignete, Fahnen, Berufszeichen u.a.

Berücksichtigt werden auch gängige Fehlmeinungen. Im Kapitel „Irrlehren“ wird vermerkt: es „gibt keine Geheimlehre, aufgrund der die Wappensymbolik ein für allemal festgelegt wäre“ (S. 148). Empfohlen wird stattdessen, etwa den jeweils zeitbedingten „Einfluss des Kunststils“ (S. 174) ins Kalkül zu ziehen.

Breiten Raum nimmt das Thema „Das Recht am Wappen“ ein. Aufschlussreich ist dabei zum Beispiel das rechtlich verankerte Lehrstück von geschlechtlicher Gleichberechtigung, wo es heißt: „Das Wappen des Mannes muss in allen seinen Teilen und Figuren als Spiegelbild dem der Frau zugewendet werden (heraldische Courtoisie).“ (S. 231)

Eingehend werden auch Fälschungen von Wappen sowie der Handel mit ihnen erörtert, sinnvoller Weise mit der „[o]brigkeitliche[n] Einflussnahme auf das Wappenwesen“ (S. 243).

Ergänzende und weiterführende Literatur enthält das umfängliche „Auswahlverzeichnis gedruckter Wappenbücher“ (S. 198), für das Inland (Deutschland, Schweiz, Österreich) wie Ausland.

Das Handbuch ist auch auf die „Schaffung neuer Wappen“ ausgerichtet. Wer „Familienname[n] versinnbildlichen“ will, dem bietet es zahlreiche Tipps (S. 165).

Gewinnen gegenwärtig das Logo und das Label an Bedeutung, sollte nicht unberücksichtigt bleiben, dass das Wappen eines der – sinngemäßen – Vorläufer war; Wappen figurieren somit als geschichtlich weit zurückreichende, bedeutungsbesetzte und somit wertvolle Muster.

In jedem Fall sprechen Wappen zu uns! – Was, darüber gibt das verantwortlich zeichnende Autorenduo kundig Auskunft.

Zurück