Titel
Wie geht eigentlich Demokratie?
Untertitel
#FragFloid
Rezension

Ungenügende Kenntnisse unseres demokratischen Systems bei Kindern und Jugendlichen und mangelnde Wahlbeteiligung gerade unter Erstwählern werden regelmäßig und zunehmend vor und nach jeder Wahl festgestellt und beklagt.

Der YouTuber LeFloid hat vor der Bundestagswahl im September 2017 zusammen mit Jonas Lanig (Bundesvorsitzender der Aktion Humane Schule und Geschäftsführer der Stiftung Civil-Courage) ein Buch extra für die Zielgruppe der etwa 14 bis 19-Jährigen herausgegeben, in dem sie erklären, was Demokratie eigentlich ist, wie sie funktioniert und was jeder einzelne – auch dann, wenn er oder sie das erforderliche Mindestalter für das Wahlrecht noch nicht erreicht hat – tun kann und muss, um die Demokratie zu erhalten und mitzugestalten.

Die Autoren wenden sich dabei direkt an die jugendlichen Leser und erklären in einer teilweise lockeren und stellenweise auch flapsigen Sprache, aber sehr sachkundig und auf das Wesentliche konzentriert, was Demokratie konkret bedeutet, wie sie historisch in Deutschland entstanden und an welche Grundpfeiler sie gebunden ist. Erläutert wird, was das Grundgesetz ist und welche tragende Rolle es in unserer Demokratie spielt, ebenso wie der Aufbau des politischen Systems mit Bundestag, Bundesregierung und Bundesrat. Das Parteiensystem und der Beruf des Politikers werden ebenso thematisiert und anschaulich erläutert, wie Gesetzgebung und Rechtsprechung funktionieren. Auch die ‚Vierte Gewalt‘ im Staat – die Medien – kommen zur Sprache und damit Aspekte wie Pressefreiheit als unverzichtbare Voraussetzung für das Funktionieren einer Demokratie.
Dabei machen LeFloid und Lanig auch immer wieder deutlich, warum es entscheidend ist, dass junge Menschen wählen gehen und sich gesellschaftlich und politisch einbringen. Denn Demokratie sei das Gegenteil von Lethargie und Wählen sei wie Zähneputzen – wenn man es nicht mache, werde es braun: „Bei jeder Wahl werden die Weichen für die Zukunft gestellt. [...] Wenn ihr euch durch euer Kreuz bei der Wahl nicht entscheidet, dann entscheiden andere für euch. Wenn ihr dann rummjammern wollt, dass ihr das alles nicht gewollt habt, ist es zu spät. [...] Wenn ihr euch also über immer mehr Rechtsradikalismus aufregt, aber selbst nicht wählen wart, dann seid ihr Teil des Problems. Wer nicht wählt, demonstriert damit nicht seinen Willen oder gar seinen Protest gegen die Regierung, sondern verweigert sich einfach nur der Demokratie“ (S. 104f.). Politik solle dabei nicht allein den Politikern überlassen werden, Demokratie lebe ganz wesentlich von persönlichem Engagement, so machen die Autoren deutlich.

„Wie geht eigentlich Demokratie“ ist ein Buch, das sich direkt an Jugendliche wendet und grundsätzlich keine weitere Vermittlung durch Schule oder Elternhaus erfordert, wobei diese natürlich in jedem Fall wünschenswert und sinnvoll ist. Der Name LeFloid bürgt dabei für einen gewissen Coolnessfaktor und eine an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasste Sprache und Aufmachung. Diese lockere Gestaltung, die aus einer Mischung aus Text und grafischer Präsentation, aus sachlichem Inhalt und Funfacts besteht, ist sehr gelungen. Viel entscheidender ist jedoch der sehr kompetent, aktuell und sachlich zusammengestellte und vermittelte Inhalt, der auch für viele Erwachsene noch einen echten Mehrwert bieten dürfte.

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