Titel
Demosthenes
Rezension

Die Reihe „Gestalten der Antike“ beschäftigt sich mit großen Persönlichkeiten der vergangenen Jahrhunderte. Der deutsche Althistoriker Wolfgang Will stellt im Rahmen dieser Reihe den athenischen Politiker Demosthenes vor.

Die Monographie ist hierbei in drei Teile gegliedert, die sich jeweils mit einem Lebensabschnitt des Demosthenes befassen. Will skizziert das Leben des Politikers anhand der Biographie des Plutarch und analysiert sowohl die erhaltenen Reden des Politikers als auch die seiner Gegner und Weggefährten. Der Fokus liegt dabei nicht alleine auf Demosthenes, sondern auch auf dem historischen und politischen Kontext seiner Wirkungszeit. Will leitet seine Monographie, nach einer kurzen Erläuterung seiner wichtigsten Quelle Plutarch, mit einer historischen Einordnung ein. Er gibt die derzeitige politische Situation in Griechenland wieder und stimmt so den Leser auf die zu betrachtende Epoche ein. Nach dieser Einführung skizziert Will das Leben des jungen Demosthenes. Der Autor beschreibt nicht nur die Kindheit, sondern auch die anfänglichen Probleme des Demosthenes, wie die Gerichtsprozesse zur Rückerlangung seines Erbes. An dieser Stelle ist die Monographie von einem stark psychologisierenden Blickwinkel geprägt. Will meint bereits bei diesen Gerichtsprozessen die Entwicklung des unnachgiebigen und hartnäckigen Charakters des Demosthenes erkennen zu können. Nach den frühen Jahren widmet sich Will schließlich der Hauptschaffenszeit des Redners. Neben genaueren historischen Erläuterungen stellt Wolfgang Will politische Weggefährten und Gegner des Demosthenes vor. Sein Hauptfokus im zweiten Teil liegt besonders auf dem Spiel der Aktion und Reaktion zwischen Philipp II. von Makedonien und Demosthenes. Philipp wird hier als geduldiger und entgegenkommender Herrscher dargestellt, der besonders gegenüber den Athenern Nachsicht übte. Demosthenes hatte sich jedoch den makedonischen König als seinen großen Gegner auserkoren und betrieb so seine Anti-Philipp-Politik mit Nachdruck. Will legt dar, wie die ganze Person des Demosthenes, sein politisches Engagement und Treiben an die Person des Philipp gebunden war, den er als den größten und schlimmsten Feind aller Griechen und besonders der Athener skizzierte. Es wird aufgezeigt, dass dieser Aufbau seiner politischen Karriere Demosthenes daran hinderte eine andere, mildere politische Richtung einzuschlagen als auch er die Zeichen der Zeit erkannte. Will spricht gar davon, dass Demosthenes innerhalb seiner Politik gefangen gewesen sei. Im letzten Teil befasst sich Will mit der Zeit nach dem Tod des Philipps. Er beschreibt nachvollziehbar den weiteren Werdegang des Politikers nach dem Wegfall seiner Identifikationsperson, den politischen Umschwung sowie die neue makedonenfreundliche Politik bis zur Flucht aus Athen und dem anschließenden Selbstmord in Kalaureia. Darauf folgt ein historischer Ausblick auf das weitere Schicksal der Stadt Athen. Abschließend widmet sich Wolfgang Will noch der Rezeptionsgeschichte des Demosthenes und arbeitet die Gemeinsamkeiten zwischen den Rednergrößen Cicero und Demosthenes heraus.

Ergänzt wird die Monographie neben einem Glossar und einem Corpus Demosthenicum noch durch eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse, die in der Monographie besprochen werden. Sowohl der Corpus als auch die Chronologie wären an einer prominenteren Stellung innerhalb des Buches wünschenswerter gewesen, da sie innerhalb des doch sehr umfangreichen Anhangs etwas untergehen.

Außerdem hätte die vorhandene Karte (S. 124) durchaus größer ausfallen dürfen. Ihre Platzierung mitten in der Monographie erscheint hinderlich, da man die Karte erst innerhalb der Monographie suchen muss, wenn man sich beispielsweise die Lage einer erwähnten Stadt vor Augen führen möchte.

Trotzdem bietet die Monographie Wolfgang Wills eine gute und informative Zusammenfassung über die Lebens- und Schaffenszeit des Demosthenes.

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