Titel
Atlas der Vorgeschichte
Untertitel
Europa von den ersten Menschen bis Christi Geburt
Rezension

Zum dritten Mal neu aufgelegt und abermals aktualisiert erscheint das Standardwerk zur mitteleuropäischen Vorgeschichte in neuem Glanz.
Die Autoren, allesamt renommierte Wissenschaftler, schaffen das beinah Unmögliche: mit zahlreichen Zeittafeln, Karten und Bildern von Fundstücken wird eine kleine Ewigkeit überschaubar gemacht. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf den farbenfrohen Verbreitungskarten, welche die unterschiedlichsten Inhalte veranschaulichen. Daneben umfasst der Bilderkatalog aber nicht nur Hochglanzabzüge von bekannten oder besonders schönen Fundstücken, auch darf sich der Leser auf Lebensbilder, zum Beispiel von einem mesolithischen Wohnplatz, freuen. Es sind ferner Rekonstruktionen des Neandertalers und des Homo heidelbergensis zu bewundern. Zusätzlich finden sich Grabungsfotos, zum Beispiel eines Schöninger Speeres, in der Fundsituation.
Dem Leser bietet sich ein eindrucksvolles Bild aus den wichtigsten Fundplätzen und schönsten Fundstücken. Anhand dieser Beispiele führt das Buch durch die Entwicklung des Menschen von 1,3 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis zu Christi Geburt. Neben den bekannten Fundplätzen, wie Stonehenge oder Göbekli Tepe, finden sich auch zahlreiche weniger bekannte Plätze, deren Funde und Befunde ebenso spannend und faszinierend sind. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die neueste Forschung gelegt, sodass Sensationsfunde, wie etwa die Scheibe von Nebra oder das Goldensemble von Bernstorf, nicht fehlen dürfen. Doch neben gern und oft in der Forschung thematisierten Aspekten finden auch weniger beachtete Themen einen Platz.
Das erste Kapitel schrieb Thomas Terberger. Der Privatdozent war unter anderem akademischer Kustos an der Universität Greifswald und ist zur Zeit am Landesamt für Denkmalpflege in Hannover tätig. Es behandelt die Alt- und Mittelsteinzeit, welche von 1,3 Millionen Jahren bis 4000 v. Chr. reichen. In diesem Zeitraum erscheinen die ersten Menschen in Europa, welche dann vom modernen Menschen verdrängt werden und es beginnt die Wandlung der Lebensweise vom Jäger zum Bauern.
Es folgt das Kapitel zur Jungsteinzeit, welche mancherorts schon 6500 v. Chr. einsetzt und ungefähr bis 2000 v. Chr. reicht. Geschrieben wurde es von Johannes Müller, dem Professor und Direktor des ur- und frühgeschichtlichen Seminars der Universität Kiel. Er beschäftigt sich in diesem Kapitel unter anderem mit der „Neolithischen Revolution“, der Entwicklung von Gesellschaftsstrukturen und den verschiedenen Möglichkeiten des Zusammenlebens, die in dieser Zeit entwickelt werden. Außerdem stellt er technische Neuerungen, wie das Rad, den Wagen und den Pflug vor.
Es schließt sich das Kapitel zur Bronzezeit an. Dieses wurde von Bernhard Hänsel verfasst. Dieser ist emeritierter Professor für Prähistorische Archäologie an der FU Berlin. Zu Beginn seines Kapitels steht die Bronze im Fokus, danach beschreibt Hänsel die bedeutendsten Neuerungen in der frühen, mittleren und späten Bronzezeit. Zudem beschreibt er die Elitebildung, Zentralorte und Bräuche.
Der Textteil des Bandes schließt mit dem Kapitel zur Eisenzeit ab. Dieses letzte und längste Kapitel wurde in Kooperation von Carola Metzer-Nebelsick, Professorin unter anderem der Vor- und Frühgeschichte der Universität München, Rosemarie Müller, Honorarprofessorin der Universität Göttingen, dem Herausgeber Siegmar von Schnurbein, seines Zeichens ehemaliger Erster Direktor der Römisch-Germanischen Kommision und Susanne Sievers, Zweite Direktorin der Römisch-Germanischen Kommission, zusammengestellt. Es befasst sich mit dem Zeitraum von 800 v. Chr. bis zu Christi Geburt. In neun Unterkapiteln werden die wichtigsten Themen vorgestellt. Darunter ein einführender Abschnitt zum namensgebenden Metall, dessen Herstellung und die mit ihm verbundenen Möglichkeiten. Es folgen verschiedene Völker und deren Bräuche. So kann viel über verschiedene Trachten, Siedlungen, Kulte und Gräber gelernt werden. Denn wie auch schon in den ersten Auflagen dieses Buches ist es auch besonders für Lehrer geeignet, die mit neuesten Forschungsergebnissen und vielen Fachinformationen ihren Unterricht würzen wollen.
Der Atlas endet unter anderem mit einem ausführlichen Glossar, weiterführender Literatur und hilfreicher Chronologietabellen, die auf einen Blick die Einordnung von Kulturgruppen bieten.
Im Atlas der Vorgeschichte wurde eine schier grenzenlose Anzahl von Epochen, Kulturen und Fundgütern für den interessierten Laien oder Studienanfänger anschaulich und leicht nachvollziehbar zusammengestellt. Leider kann in dem Umfang dieses Bandes nur ein Überblick gegeben werden, dennoch bietet dieser Atlas die Möglichkeiten, sich weiterführend mit einzelnen Bereichen auseinander zu setzen. Die reiche Bebilderung sorgt zudem für eine Verdeutlichung und Bereicherung der präzisen und fachlichen Texte, sodass der Atlas der Vorgeschichte auch für geschichtsbegeisterte Jugendliche eine kenntnisreiche und unterhaltsame Lektüre darstellt.

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