Titel
Mithras. Kult und Mysterium.
Rezension

„Mithras. Kult und Mysterium“ heißt die neue Publikation von Prof. Dr. Manfred Clauss. Schon mehrere Jahrzehnte beschäftigt sich Manfred Clauss mit dem Mysterienkult des Mithras, der ab der frühen Kaiserzeit weite Verbreitung im Imperium Romanum fand. Schon im Jahre 1990 veröffentlichte er ein Buch unter dem gleichnamigen Titel. In diesem stellte er alle überlieferten Zeugnisse des Kultes, literarische, epigrafische und archäologische, in einem Gesamtwerk dar und erläuterte sie auf dem damaligen Forschungshintergrund. Diese Zusammenstellung ist die Grundlage, auf der der emeritierte Professor für Alte Geschichte seine neue Schrift aufbaut. Diese jedoch wurde großzügig um neue Funde und Forschungsergebnisse erweitert und stellt somit eine modernisierte Form des Buches von 1990 dar. Manfred Clauss bemüht sich um Vollständigkeit und liefert so ein Buch, das nicht nur für die Vermittlung von Grundlagen zu benutzen ist. Wer sich zum Kauf des Buches entscheidet, darf sich auf eine reich bebilderte und mit vielen Karten anschaulich gestaltete Zusammenstellung aller wichtigen Aspekte des Mithraskultes freuen.

Der Textteil beginnt mit einer längeren Einführung, die unter anderem einen Überblick über die Forschungsgeschichte, die mögliche Herkunft des Gottes Mithras und die Grundlagen, welche die Kaiserzeit Mysterienkulten bot, gibt. Darauf folgt eine chronologische Darstellung der alsbald riesigen Ausbreitung, die der Mithraskult erreichte, der besonders bei Soldaten Verbreitung fand. Anschließend wird ein besonderes Gewicht auf die Menschen, die diesem Kult anhingen und ihn ausübten, gelegt. Durch viele Schriftquellen gestützt, erlangt der Leser Einblick in die Struktur von Mithrasgemeinden. Im nächsten Abschnitt nimmt Manfred Clauss den Leser mit auf einen Rundgang durch ein typisches Mithräum.

Auch die Mithraslegende wird eingehend erläutert. Anhand vieler Altäre werden die verschiedenen Stationen im Leben des Gottes Mithras, ebenso wie die zahlreichen symbolträchtigen Elemente, die auf keinem Altar fehlten, vorgestellt. Es folgen Kapitel über die Kultfeiern und das dabei benutzte Kultgeschirr.

Selbstverständlich darf eine Erläuterung der unterschiedlichen Weihegrade der Priester in keinem Band über den Mithraskult fehlen, so beschäftigt sich auch Manfred Clauss ausführlich mit den mythischen Hintergründen dieser Grade und der angenommenen Aufgaben im Kultbetrieb. Auch werden Bitten und Gebete an Mithras und dessen Morallehren, wie sie aus Inschriften hervorgehen, thematisiert. Danach beschäftigt sich Manfred Clauss mit Mithras im Vergleich und Zusammenhang mit anderen Göttern. Dabei geht er abschließend besonders auf das Verhältnis von Mithras zu Christus ein.

Das Buch verfügt ebenso über einen ausführlichen Anhang, aus dem unter anderem verschiedenste Informationen zu den Abbildungen und zu weiterführender Literatur entnommen werden können. Der Autor bemüht sich sehr, durch das Abwägen verschiedener Interpretationen den Leser direkt mit einzubeziehen und ihm das Thema möglichst nahe zu bringen. Der Text ist verständlich geschrieben. Offene Fragen können häufig durch die angeschlossenen Anmerkungen beantwortet werden.

„Mithras. Kult und Mysterium“ eignet sich hervorragend als Einsteigerlektüre, ebenso als Nachschlagewerk bei Fragen und regt zum Weiterlesen und -denken an.

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