Titel
Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39 bis 1945
Rezension

Die Erforschung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gehört wohl zu einem der ersten Forschungsfelder nach dem Ende der NS-Diktatur. Dies gilt vor allem für die deutsche Forschung über den Widerstand im Deutschen Reich selbst, doch auch für andere europäische Länder. Nach nunmehr über sechs Jahrzehnten ist eine schier unüberschaubare Widerstandsforschung in zahlreichen Sprachen entstanden. Ein Handbuch ist hier ein willkommenes Instrument, diese Masse für Interessierte handhabbar zu machen, Orientierung zu bieten und die wichtigen Felder aufzuzeigen. So ist denn auch laut Klappentext 'eine umfassende und vergleichende Gesamtschau' des Widerstands und seiner Rezeption nach 1945 Ziel des von Gerd R. Ueberschär herausgegebenen Handbuchs. 

In einzelnen Länderartikeln wird der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und den Faschismus dargestellt, wobei die Länderartikel in fünf großen Blöcken zusammengefasst werden, die auch nach geographischen Kriterien eingeteilt wurden ' einzig der letzte Block fällt ein wenig aus diesem Schema, da er Exil und Emigration umfasst. Abgerundet wird der Band durch eine Auswahlbibliographie, die die Literaturhinweise der einzelnen Artikel ergänzt, ein Personen- und Ortsregister.

Die Artikel eignen sich gut zu einem ersten Zugang zum Widerstand in bestimmten Regionen und bieten überdies Hinweise für die weitere Beschäftigung mit dem Thema. Zudem geraten so auch wenig oder gar nicht bekannte Fälle wie z.B. die britischen Kanalinseln in den Blick. Das Problem des Buches liegt woanders ' es läuft unter dem falschen Etikett und verspricht zu viel. Was als 'Handbuch' bezeichnet wird, ist letztlich ein Sammelband und wo 'vergleichend' draufsteht, findet der Leser nur eine Reihung von Länderartikeln und muss die Vergleiche am Schluss dann doch selbst vornehmen. Von einem Handbuch zum Widerstand müsste erwartet werden, dass zum Beispiel der jüdische Widerstand vorkommt. Der Warschauer Getto-Aufstand etwa kommt nicht vor.

Daran zeigt sich ein weiterer Schwachpunkt des Bandes: Die strikte geographische Gliederung lässt grenzüberschreitende Kontakte und Phänomene in den Hintergrund treten, wenn sie überhaupt angesprochen werden. Hier wären Querschnittsartikel zum Beispiel zu Kommunikationswegen, transnationalen Aspekten, Kontakten, grenzüberschreitenden Netzwerken, der Rolle der Alliierten etc. denk- und wünschbar gewesen. Positiv hervorgehoben verdient aber die Tatsache, dass Emigration und Exil als Teil des Widerstands aufgenommen worden sind, wenngleich nicht ganz einleuchtend ist, warum das deutschsprachige Exil in der Sowjetunion in einem Artikel und das in allen übrigen Ländern in einem weiteren zusammengefasst ist.

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