Titel
Ein Vertrag mit Gott
Untertitel
Mietshausgeschichten
Rezension

Will Eisner, den 2005 verstorbenen Comic-Altmeister und Pionier der Graphic Novel, ehrt der Hamburger Carlsen Verlag gewissermaßen posthum mit einer auf drei Bände angelegten Will Eisner-Bibliothek, die seine wichtigsten Werke umfasst. 'Ein Vertrag mit Gott', der erste Band, ist eine liebevoll gestaltete Hommage an Eisner, versehen mit einer kurzen biographischen Skizze über Eisner sowie einem sehr persönlichen Vorwort Eisners, das er kurz vor seinem Tod schrieb. Abgerundet wird der Band durch einen Essay von Andreas C. Knigge.
Drei Werke sind hier vereint: 'Lebenskraft', 'Dropsie Avenue' und das zentrale Werk Eisners und der Comic-Geschichte, das dem Band seinen Namen gab ' 'Ein Vertrag mit Gott'. Mit letzterem schuf Eisner ein neues Comicgenre, dem er sogleich den Namen Graphic Novel mit auf den Weg gab. Mit den hier erzählten Geschichten aus dem Alltag in New Yorker Mietskasernen, den Sorgen und Nöten einfacher Menschen eröffnete Eisner dem Comic neue Dimensionen, die heute selbstverständlich scheinen und sich hoher Popularität erfreuen.
'Ein Vertrag mit Gott' ist die Geschichte von Frimme Hersh, der 1881 im zaristischen Russland geboren wurde, das immer wieder antisemitische mörderische Ausschreitungen erlebte. Hersh entwickelte sich nach dem Tod seiner Eltern zu einem vielgeachteten Helfer in seinem Shtetl, wo er allenthalben die dankbaren Worte 'Gott wird es dir lohnen' mit auf den Weg bekam. Nach einem erneuten Pogrom beschlossen die Dorfältesten, Frimme nach Amerika zu schicken, da Gott ihrer Meinung nach noch großes mit ihm vorhabe, das Überleben in Russland aber mehr als ungewiss sei. Auf dem Weg dorthin schloss er einen Vertrag mit Gott. In Amerika angekommen widmete er sich der Erfüllung des Vertrags, indem er ein frommes Mitglied der Gemeinde wurde und gute Taten vollbrachte. Schließlich nahm er ein Findelkind bei sich auf und zog es groß, bis es an einer Krankheit starb. Hersh beklagte den Tod seiner Tochter als Bruch des Vertrags durch Gott. Er beschloss das Leben eines frommen Juden aufzugeben, rasierte sich den Bart ab und entwickelt sich zu einem Immobilienmagnaten auf.
Eisner entwickelte in dieser und den anderen Geschichten des Bandes einen Stil, der es ermöglichte, dass sich seine Geschichte, die Figuren und auch die Räume, die Häuser und Straßen, die eine große Rolle spielen, entfalten konnten, mehr Platz einnahmen, indem er die starrere Panelstruktur aufbrach und zudem nur wenige Bilder auf eine Seite platzierte. Von den vielen, bis dahin marktbeherrschenden Superhelden- und Actioncomics setzte er sich so deutlich ab, unterstrichen noch dadurch, dass er auf grelle Farben verzichtete und die Zeichnungen in Brauntönen gestaltete. Eisner hat die literarische Dimension des Comics zwar nicht entdeckt, aber er hat ihr eine neue Tiefe erschlossen.

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