Titel
Sebastian Haffner. Eine Biographie
Rezension

Sebastian Haffner, der zu Lebzeiten bereits überaus erfolgreich war, ist nach seinem Tod spätestens nach der Veröffentlichung seiner Autobiographie aus dem Nachlass zu einer Marke geworden. In zahlreichen Buchhandlungen gibt es in der historischen Abteilung neben den einzelnen Epochen auch das Haffner-Regal. Das liegt wohl vor allem daran, dass Haffner es besser als jeder Historiker verstanden hat, seine Themen für ein breites Publikum aufzubereiten und in einer klaren Sprache ausgesprochen meinungsfreudig darzubieten.
Nachdem Uwe Soukup einen ersten biographischen Annäherungsversuch unternommen hat, liegt nun mit der Druckfassung von Jürgen Peter Schmieds Dissertation die erste umfassende Haffner-Biographie vor, die auch auf dessen Nachlass gestützt ist. Schmieds roter Faden ist die Frage nach Erklärungen für die zahlreichen Wandlungen Haffners, die sich vor allem in radikalen Positionsänderungen manifestierten. Es ist dies und die Vehemenz, mit der Haffner die jeweils aktuelle Meinung vertreten hat, die ihn zu einer schillernden Persönlichkeit der bundesdeutschen Publizistik werden ließ, nicht sein Privatleben. Das war eher konservativ und bleibt in der Biographie zum Teil im Dunkeln, sieht man von der Darstellung der Jahre bis zum Exil ab, bei der Schmied auch ausführlich die privaten Tagebücher Haffners zurate ziehen kann. Es fällt nicht leicht, eine plausible Antwort auf die Frage nach den Ursachen für die Häutungen Haffners zu finden; es ist wohl ein Bündel an möglichen Faktoren: Ein durchaus narzisstisches Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, kalkulierte Provokationen, bisweilen auch eine Portion Opportunismus. Vor allem aber waren es wohl tatsächlich Überzeugungen des Augenblicks, die Haffner mit der ihm eigenen Deutlichkeit, Vehemenz und Zuspitzung vertreten hat. Grautöne jedenfalls waren Haffner weitgehend unbekannt.
Peter Jürgen Schmied hat eine spannend geschriebene Biographie einer Jahrhundertgestalt der deutschsprachigen Publizistik vorgelegt. Zwar rauscht er mit Volldampf durch die Jahre des jungen Haffner und der Leser befindet sich, ehe er sich versieht, schon im Jahr 1938, doch tut das dem Buch keinen Abbruch, sondern ist auch Zeichen der packenden Darstellung.

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