Titel
Naturwissenschaft. Alles, was man wissen muss
Rezension

Als Geisteswissenschaftler ein Buch über Naturwissenschaften anzuzeigen birgt die Gefahr, über die dort behandelten Themen fachlich nichts Sicheres sagen zu können. Man droht, Fehleinschätzungen zu erliegen, die guten Glaubens aus dem Buch in die Besprechung einfließen. So ' hier hat der Rezensent Glück ' ist der zu besprechende Band nicht angelegt. Er widmet sich allgemeinverständlich und gut nachvollziehbar in sechs Abschnitten der Entfaltung des Lebens (1.), unserem Lebensraum (2.), dem Leben im Universum (3.), der Menschwerdung (MenschLeben, 4.), dem Leben mit Bewusstsein und Gehirn (5.) und schließt mit einem Ausblick. Literaturhinweise, Zeittafeln und Register vervollständigen den Band, der als eine Art Vademekum der naturwissenschaftlichen Antworten auf die Frage des Menschen nach seinem Woher und Wohin umschrieben werden kann. Der Untertitel des Buches, 'Alles, was man wissen muss' rückt ihn in die Nähe einer kanonischen Abhandlung; dies alles will aber mit einem Augenzwinkern verstanden sein, wie auch Kapitelüberschriften thematisch und sprachlich und einige Artikel sich selbst weniger ernst nehmen, als mancher Leser dies beim Kauf des Buch hätte meinen können. Es ist unterhaltsame Wissensvermittlung mit vielen neuen wie bekannten Einlassungen. Etwa, dass Männer bei Frauen ein Taille/Hüfte-Verhältnis von 0,7 bevorzugen. Der Band stellt in jedem Kapitel zuerst allgemeine Parameter vor, von denen er anschließend in Einzelbetrachtungen abschweift. Diese können vom Forschungsgebiet her vorgegeben sein oder sich aus allgemeinen Kenntnissen, Fragestellungen oder Irrtümern heraus ergeben haben. Dazu gehört beispielsweise auch das Jenseits, das es nicht geben kann, da das Universum allen Raum und alle Zeit in sich trägt. 'Vor dem Urknall gab es kein Universum und damit auch keine Zeit.' (S. 271)
Fragt man, wie der Mensch entstanden ist, lautet die Antwort: als ein zufälliges Ergebnis der Evolution. Liest man dann im Buch folgend den Abschnitt über Stammzellenforschung und somit über den gezielten Eingriff des Menschen in die Evolution, ist man schon im Zweifel, ob hier nicht der homa sapiens zu sehr in natürliche Abläufe eingreift. Auch hier lässt einen der Band nicht alleine: Diskussionsmaterial findet sich in einem eigens dafür geschriebenen Pro-und-Contra-Abschnitt (S. 377f.).
Neben den Inhalten und Erfolgen vermittelt die Abhandlung auch ausreichend die Grenzen der Naturwissenschaften; Fortschritt und Selbstbestimmung zieht Verantwortung nach sich, als Basis für Freiheit, Kreativität, Individualität und Menschenwürde (vgl. S. 389).Wissen ist eine der Grundlagen, richtige Entscheidungen bewusst treffen zu können. Einen gelungenen Überblick über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse enthält das Buch allemal, vergnügliche Lesestunden darüber hinaus.

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