Titel
Deutsche gegen Deutsche
Untertitel
Das Schicksal der Juden 1938-1945
Rezension

Moshe Zimmermann, meinungsfreudiger israelischer Historiker, hat die irritierende Feststellung, dass es an einer kompakten Darstellung über die Verfolgung und Ermordung der deutschen Juden mangelt, veranlasst, diese Lücke mit seinem neuen Buch 'Deutsche gegen Deutsche' selbst zu schließen. Der Untertitel jedoch führt in die Irre, suggeriert er doch eine weitere Gesamtdarstellung über den Mord an den Juden Europas.
Beginnend mit der 'Reichskristallnacht' richtet Zimmermann den Blick ausschließlich auf die deutschen Juden, deren Schicksal einige Besonderheiten aufweist. Sie waren die ersten Opfer des nationalsozialistischen Verfolgungswahns und hatten bis 1938 bereits eine Vielzahl von Einschränkungen, Drangsalierungen und Gewaltausbrüchen erleiden müssen, die mit der reichsweit organisierten antijüdischen Gewalt im November 1938 eine neue Qualität erreichten.
Der Pogrom raubte vielen deutschen Juden die letzten Illusionen und setzte eine verstärkte Fluchtwelle in Gang. Dem deutschen Würgegriff zu entkommen, wurde jedoch immer schwieriger, sei es durch die von den Nationalsozialisten aufgebauten Hürden und Ausbeutungsmechanismen oder aber durch die ablehnende Haltung allzu vieler potentieller Aufnahmeländer. An den Folgen des Exodus hatte die jüdische Gemeinschaft in Deutschland schwer zu tragen: Sie überalterte zusehends und hatte eine wachsende Zahl von verarmten Menschen zu versorgen. Diesen Aufgaben widmeten sich jüdische Selbstverwaltungsorgane wie etwa die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, die auch um eine Zusammenarbeit mit NS-Behörden nicht umhin kamen. Das hat ihren Vertretern, ähnlich wie den Mitgliedern der Judenräte vor allem in Mittel- und Osteuropa, nach dem Krieg scharfe Kritik eingebracht. Gegen die Vorwürfe nimmt Zimmermann die jüdischen Repräsentanten in Schutz. Ausgewogen und klug wägt er Handlungsoptionen ab und führt dem Leser eindringlich die fast ausweglose Situation der Verantwortlichen in der jüdischen Verwaltung vor Augen.
Es sind vor allem, aber bei weitem nicht nur, diese Passagen, in denen es Zimmermann überzeugend gelingt, den zeitgenössischen Wissensstand und Handlungsspielraum darzustellen, die dieses Buch zu einem gewichtigen Beitrag zur Zeitgeschichtsforschung machen. Das gilt umso mehr, als Zimmermann es vermag, all das auf relativ knappem Raum in ebenso nüchterner wie zugleich einfühlend packender Sprache zu erzählen.

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