Titel
Interpretationen
Untertitel
Mittelhochdeutsche Romane und Heldenepen
Rezension

Es ist sicherlich ein nicht unproblematisches Unterfangen, Interpretationen insbesondere zu Werken der deutschen Literatur herauszugeben, die einen gewissen 'Kanonstatus' erlangt haben ' vielleicht ist es aber nicht weniger schwierig, derlei Veröffentlichungen zu rezensieren; der Verlagsseite wird in diesem Kontext gerne unterstellt, 'Lesefaulheit' zu fördern, der des Rezensenten, dies ' im Fall zumindest einer positiven Besprechung ' auch noch zu unterstützen.
Allerdings, und das mag den Verlag zu einer überarbeiteten Neuausgabe bewogen haben, gibt es Bereiche bzw. Epochen der Literatur, die ein wenig Unterstützung in ihrere 'Außenwirkung' nötig zu haben scheinen. Denn es verliert sich ' trotz Mittelalter-Märkten und vergleichbaren 'Events' ' das Interesse nicht nur im schulischen, sondern, und das ist noch bedauerlicher, auch im universitären Bereich, sich zumindest in größeren Kreisen intensiver mit mittelalterlicher Literatur zu befassen.
Dementsprechend ist eine Sammlung von interpretierenden Aufsätzen ínsbesondere zu mittelhochdeutscher Literatur ein Desiderat, das durch die vorliegende (Wieder-)Veröffentlichung im Reclam-Verlag behoben wird. Mit dieser Publikation liegt ein handlicher Band vor, der in bewährter Reclam-Manier inhaltliche Qualität mit eine positiv zu bewertenden Preis-Leistungs-Verhältnis verbindet.
Bereits in der Einleitung des Herausgebers werden wesentliche Zugangswege zur deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts gewiesen, indem knapp aber fundiert allgemeine literarische Entwicklungen benannt und Forschungstendenzen aufgewiesen werden. Dies setzt sich in den fundierten wissenschaftlichen Beiträgen fort, die sich mit den wesentlichen Dichtungen des deutschsprachigen Hochmittelalters befassen. Jedem der von kompetenten Verfasserinnen und Verfassern stammenden Aufsätze, ist eine Quellen- und Literaturauswahl angefügt, die zur intensiveren Beschäftigung mit dem Thema anregt, was den (Arbeits-)Wert des Buches deutlich erhöht.
Die entsprechenden Werke bzw. Werkkreise seien im Folgenden genannt, die Autorinnen und Autoren sind in Klammern angefügt: 'Der Alexanderroman' (Trude Ehlert), 'Das Rolandslied' (Gisela Vollmann-Profe), 'Herzog Enst' (Hans-Joachim Behr), 'Heinrich von Veldekes Aenaeasroman' (Ingrid Kasten), 'Ulrich von Zazikhofens Lanzelet' (René Perennec), 'Das Nibelungenlied' (Jan-Dirk Müller), 'Wolfram von Eschenbachs Parzival' (Elisabeth Schmid), 'Wolfram von Eschenbachs Titurel' (Volker Mertens), 'Wolfram von Eschenbachs Willehalm' (Christian Kiening), 'Gottfried von Straßburgs Tristan' (L. Peter Johnson), 'Rudolf von Ems' Der guote Gerhart' (Wolfgang Walliczek), 'Heinrich von dem Türlins Diu Crone' (Ulrich Wyss), 'Kudrun' (Werner Hoffmann), 'Reinbot von Durnes Georgslegende' (Edith Feistner), Prosa Lancelot' (Klaus Speckenbach), 'Albrechts Jüngerer Titurel' (Alfred Ebenbauer), 'Konrad von Würzburgs Engelhard' (Peter H. Oettli), 'Konrad von Würzburgs Trojanerkrieg' (Elisabeth Lienert), sowie 'Konrad von Würzburgs Wilhelm von Österreich' (Dietrich Huschenbett).
Angesichts der Fülle der Aufsätze sowie des grundsätzlich hohen Niveaus ist hier nicht der Ort, einzelne Beiträge besonders hervorzuheben. Insgesamt gesehen bietet dieses Buch jedoch einen gelungenen Überblick über wesentliche Dichtungen der mittelhochdeutschen Literatur ' und eine Möglichkeit, sich rasch ein Bild nicht nur über die jeweilige Dichtung selbst, sondern auch zu Forschungsgeschichte und -stand zu verschaffen. Vermutlich wird es zwar kaum 'in einem Stück' gelesen werden, das aber kann natürlich auch nicht das Ziel einer solchen Publikation sein, die den jeweiligen  Schwerpunktsetzungen Hilfestellung zu leisten vermag bzw. diese vielleicht erst auszuprägen hilft. Andererseits, und das macht einen weiteren Reiz aus, bieten sich durch die Konzentration der verschiedenen Dichtungen Möglichkeiten, auch außerhalb des eigentlichen Schwerpunktes, rasche Informationsmöglichkeiten zu haben. So gesehen, sollte der Band durchaus als 'Gesamtkomposition' verstanden werden.
Es liegt also eine informativen Zusammenstellung zum Thema vor, die über die bloße 'Faktenvermittlung' hinausgeht. Damit sollte der vorliegenden Publikation ihr Platz in Bücherregalen und auf Schreibtischen ' nicht nur von Studierenden! ' sicher sein.

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