Titel
Volkswirtschaftslehre für Sozialwissenschaftler. Eine Einführung
Untertitel
Holger Rogall:
Rezension

Das Buch bietet eine systematisch gegliederte und auch für Nicht-Ökonomen verständliche Einführung in die Volkswirtschaftslehre, wobei der Autor ' Professor für Umweltökonomie an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin ' auch grenzüberschreitende und globale Wirtschaftsprozesse in seine Darstellung einbezieht. Am Anfang stehen die wichtigsten historischen Wirtschaftsschulen seit der Antike sowie die zentralen Theorien, mit denen sich wirtschaftliches Handeln erklären läßt: u.a. Merkantilismus und Physiokratie, Neoklassik und Keynesianismus sowie die neuen Schulen des Neoliberalismus wie der Neue Keynesianismus und die Neue Institutionenökonomie. Eigene Kapitel sind der nachhaltigen Ökonomie gewidmet, ebenso der Mikroökonomie mit den privaten Haushalten und den Unternehmen sowie der Preisbildung auf unterschiedlichen Märkten. Der zweite Hauptteil umfaßt die Makroökonomie und Wirtschaftspolitik mit ihren Akteuren, Zielen (Wachstum, hoher Beschäftigungsgrad, Geldwertstabilität) und den verschiedenen Politikbereichen wie Wettbewerbs-, Finanz-, Geld- und Einkommenspolitik sowie den sozial-kulturellen Aufgaben des Staates. Der dritte Hauptteil beschäftigt sich mit der internationalen Wirtschaftspolitik wie den Außenhandelstheorien und der Außenwirtschaftspolitik, der Entwicklungspolitik und den internationalen Organisationen wie GATT und WTO. Auch ist der EU ein eigenes Kapitel gewidmet. Jedes Unterkapitel schließt mit Nennung der Basisliteratur und Internetquellen sowie einigen wenigen Übungen zu diesem Thema.
Neben die Grundtexte sind gesonderte Kästchen eingefügt mit ausführlichen Begriffsdefinitionen und weitergehenden inhaltlichen Beschreibungen wie z.B. zum Eigentum oder den Prinzipien der Genossenschaftsbewegung. Gegenüber anderen nationalökonomischen Lehrbüchern zeichnet sich dieser Band durch seine klare Sprache sowie seine kritischen Stellungnahmen aus. Dies gilt etwa für die Neoklassik, indem der Autor die prinzipiellen Schwächen auflistet und auf das realitätsferne Menschenbild und die Grenzen der Konsumentensouveränität eingeht. Ein anderes Beispiel: Im Kapitel über die Finanzpolitik behandelt der Verfasser ausführlich die Fehlentwicklungen des deutschen Abgabensystems, darunter die Fehler in der Finanzierungs-, Lenkungs-, Stabilisierungs- und Verteilungsfunktion. In diesem Zusammenhang werden auch die aktuellen Reformansätze kritisch unter die Lupe genommen, ebenso die Staatsverschuldung und die damit verbundenen Gefahren. Das gesamte Lehrbuch ist einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik verpflichtet. Darin sieht der Autor die einzige Möglichkeit, der drohenden ökonomischen, ökologischen und sozial-kulturellen Krise zu entgehen. Da aber dieses Konzept nicht ausreicht, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, müßten darüber hinaus Strategien entwickelt werden zur Verteilung der Arbeit und der Finanzierung von Arbeit. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Einleitung in die Volkswirtschaftslehre, und zwar nicht nur für Sozialwissenschaftler.

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