Titel
dtv-Atlas Keramik und Porzellan
Rezension

Seit etwa 13.000 Jahren stellt der Mensch Keramik her. Ton ist einer der ersten Rohstoffe, die in der frühen Menschheitsgeschichte gestalterisch bearbeitet wurden und zählt bis heute zu den vielfältigsten Materialien überhaupt. Auch in der Gegenwart noch kommt man, trotz Massenherstellung von unzähligen Kunststoffprodukten, z.B. in Medizin und Technik, nicht ohne Erzeugnisse aus Ton aus. Wer hätte gedacht, daß etwa die Produktion von Computerchips ohne technische Keramik nicht möglich wäre? Entsprechend existiert eine Vielzahl von Publikationen über Keramik und Porzellan, die aber meist nur Teilaspekte dieser faszinierenden Werkstoffe behandeln.
In dem zu besprechenden Werk wird daher der Versuch unternommen, zum ersten Mal Stil- und Technikgeschichte des Keramikhandwerkes in einem Band und in Form eines Überblickswerkes darzustellen. Die Form des bewährten dtv-Atlasses erwies sich dafür als ideal. Das Ergebnis ist der Ertrag fast zweier Jahrzehnte Forschungs- und Sammelarbeit. Unter den Oberbegriff 'Keramik' fallen dabei alle Produkte aus geformtem und gebranntem Ton, also Töpferwaren, Majolika und Fayence, Porzellan, Steingut und Steinzeug, sowie auch Baukeramik und High-Tech-Keramik. Zunächst werden im ersten Teil der Publikation die Grundlagen für eine intensive Beschäftigung mit Keramik gelegt: Die Leserschaft wird über die verschiedenen Arten von Ton, über Verarbeitungstechniken, Engoben und Glasuren, Brennöfen und Brand, sowie über Datierungs- und Restaurierungsmethoden informiert. Dies alles geschieht auf eine sehr anschauliche Weise durch Zweiteilung des Atlas: Die rechte Seite ist stets knappen textlichen Beschreibungen, die linke Seite erläuternden Illustrationen vorbehalten. Überhaupt kann man die über 1.000 farbigen Abbildungen, zum größten Teil Aquarelle von Birgit und Sven Frotscher, als besonders gelungen bezeichnen. Sie machen einen Großteil der Anschaulichkeit des Atlas aus und illustrieren die Vielfalt keramischer Produkte besser als jede Fotografie sowie verdeutlichen z.B. Produktionsabläufe schneller als textliche Beschreibungen.
Im zweiten Teil der Publikation bedient sich der Autor einer geographischen Einteilung, um die lange Geschichte und die unterschiedlichen Entwicklungsstränge der Keramikherstellung und -verwendung weltweit zu präsentieren. Dabei werden die Großräume Europa, Asien, Afrika sowie Australien und Amerika behandelt; ein weiteres Kapitel befaßt sich mit dem besonderen Stellenwert von Keramik in der Geschichte des Islam.
Im Anhangteil des Werkes finden sich sehr gelungene schematische Karten, die Museen, Ausbildungsstätten und Produktionsorte von Porzellan und Keramik darstellen, sowie ein Adressenverzeichnis von Keramikmuseen, eine Auswahl von Ausbildungsstätten und Keramikgesellschaften weltweit und eine etwas knappe Bibliographie, geordnet nach den Abschnitten des Buches.

Zurück